Ich will dich….ich will dich nicht…der Komiker (Teil VII)

Antworte mir bitte…

nein…tue es nicht!

Doch, mach’s! Aber ersticke meine Kontaktaufnahme gleich wieder im Ansatz…schreib mir wie glücklich du jetzt bist…mit dieser Frau…für die du mich skrupellos weggeworfen hast. Die es dir wert war, mich ohne zu zögern für immer gehen zu lassen.

Ich habe jetzt einen Mann, der mich aufrichtig haben möchte. Der seiner Mutter von mir erzählt…der mir Koriandersaat mit der Post schickt, weil ich den büschelweise über mein Essen streue (was oft Kopfschütteln verursacht bei meinen Mitmenschen…man liebt Koriander eben oder man hasst ihn) und in einem Nebensatz erwähnt habe, wie gerne ich selbst welchen auf meinem Balkon anbauen würde. Ein Mann, der mich bei der Arbeit überrascht, um mir eine Kette zu schenken. Der seinen Kühlschrank mit Dingen bestückt, die ich mag. Ich könnte mit ihm glücklich werden…der Sex klappt mittlerweile auch hervorragend…nur muss ich dich vorher aus meinem Kopf bekommen, denn ich sehe dich überall…du begleitest mich überall hin…bis ins Schlafzimmer…du musst gehen! Ich habe dir nicht geschrieben, um wieder an dich ranzukommen! Sondern damit du mich endgültig an die Wand schmetterst…wie den Frosch 🐸 im Märchen, damit ich vom bösen Zauber erlöst werde…! Höre ich mich da selbst lügen? Nein!

8 Minuten nach Absenden der Nachricht hörte ich den WhatsApp-Ton aus der Küche…..

Wenn er es sein sollte…ging es echt schnell…eine so schnelle Antwort…ein Zeichen, dass der andere froh ist über ein Lebenszeichen, keine Zeit verlieren möchte?

Ich schlich auf Zehenspitzen zu meinem Handy…als ob ich mich langsam auf etwas sehr Gefährliches zubewegen würde…ich drückte den Button…und es erschien seit Monaten erstmals wieder sein Name…

„Hallo Carla. Danke für die Grüße…wie geht’s dir?“

Du bist also wieder da….bleibst du nur kurz für mich stehen? Halten wir Smalltalk bis du raushaust, dass du das Model demnächst heiratest? Geschwängert hast du sie sicher schon…obwohl du bei mir noch so akribisch auf Verhütung geachtet hast, um nur nicht erneut Vater zu werden?

Wir tauschten ein paar Sätze aus.

Immer mal wieder in den folgenden Tagen…nichts mit Tiefgang…kein wirklich ambitionierter Redefluss seinerseits…nichts, was mir ein schlechtes Gewissen verursachte, wenn mein Freund plötzlich mit einer Nachricht „dazwischenfunkte“….was mich schließlich davon überzeugte, dass Stuttgart 1 aus reiner Höflichkeit antwortete….er war seiner neuen Freundin gegenüber loyal…es war ernst.

Es trat der gewünschte Effekt ein: ich würde nun auch Stuttgart zwo eine aufrichtige Chance geben…ohne gedankliche Ausflüge in die Nachbarschaft.

Am folgenden Tag meldete er sich dann wieder…mit einer Überraschung: sein Beziehungsstatus kam plötzlich ins Spiel. Von sich aus stellte er klar,Single zu sein….die Sache mit dieser Frau hatte sich nicht weiter entwickelt.

Es ratterte….das hieß auch: sein einziger Gruß…der zu Weihnachten (den ich ignoriert habe)…da war er bereits ohne sie. Das lahme „Wünsch-dir-ein-schönes-Weihnachtsfest-viele-Grüße-Lukas“…habe ich fehlinterpretiert! Ich las eher daraus ein „Hallo Carla…mit der neuen Frau läuft es dermaßen gut, daher schicke ich Dir ein paar überhebliche Grüße zum Fest….übrigens: es war es einfach wert, dich abzuservieren!! Gisele ist einfach ein Traum….schönes Leben noch!“

Hey!! Das geht so nicht!Arschloch!

Gerade wollte ich den Haken hinter dich setzen…ein neues Leben beginnen!!Deine Akte schließen!

Jetzt nur nicht ins Wanken kommen!

erstmal durchatmen….den Rest Sekt eingießen!

Jetzt nur nicht antworten.

Er meldete sich danach erst einmal nicht und ich glaubte schon wieder, der Spuk sei vorüber.

Drei Tage später :

Es durchfuhr mich….was für ein Schock!Fast wie der bei der Verabschiedung.

Nein!! Ich tue mir das nicht mehr an…die Frau fürs Bett zu sein!

Ich schlug bekräftigend auf die Tischplatte..

„Verdammter Mistkerl….aaargh!“

und da war es auch schon…das Gefühl, dass diese Wut nicht ganz echt war.

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Der Komiker…Umbruch in der Verbotenen Stadt (Teil VI)

Gut…dass es am Anfang im Bett mal etwas hapert…kann mal vorkommen. Es steht und fällt eben viel mit dem Leistungsvermögens des Mannes. Ich möchte nicht mit denen tauschen wollen. Als Frau kann man Sex haben und dabei trotzdem an tausend andere Sachen denken (to-do-Listen durchgehen z.B)…dafür bin ich sehr dankbar, denn wir haben eh schon mit tausend Sachen gleichzeitig zu tun im Alltag…und dann noch eine stattliche Erektion auf Knopfdruck abliefern? Nee echt…ich bin froh, dass den Job die Kerle haben…sonst gäbe es wohl echt weniger Beischlaf auf der Welt. Wenn ich mir diese Situation so vorstelle…also mal im umgekehrten Fall…dieser Druck…und wie würden die Männer damit umgehen, wenn Frau mal nicht kann?Verständnis oder lange Gesichter?

Ich für meinen Teil zeigte viel Verständnis für den Komiker…Männer, die keine 30 mehr sind…gezeichnet sind durch Scheidung, Sorgerechtsstreitereien, Tinder-Dates, Unterhaltsverpflichtungen, die entwickeln gewisse Blockaden in verschiedenen Bereichen. Die Leichtigkeit in der Sexualität geht beim ein oder anderen flöten und immer mehr setzt der Kopf ein. Die Folge ist dann, dass es oft ziemlich klemmt wenn das Licht gedimmt und es ernst wird.

So war es auch hier…und wenn quasi beide um seine Erektion kämpfen muss…dann ist das echt anstrengend und macht keinem so wirklich Spaß. Und es schleichen sich schnell Bilder ein…nicht dass man sie sich wünscht…aber sie kommen eben…wie Träume (da kann man sich den Inhalt auch schlecht wünschen)…das Kopfkino vom tollen Sex…mit einem anderen Hauptdarsteller…dem Garanten für leidenschaftliche Nächte und zahlreichen Orgasmen…man vergleicht schlichtweg. Sollte unterlassen werden, aber automatisch schlittert man da schnell rein.

Wenn der Mann, der immer noch eine derartige Anziehungskraft besitzt, nur einige hundert Meter Luftlinie weiter im Bett liegt, während man hier unerfüllt einschläft…da kann doch keiner den Kopf frei haben.

Diese Nähe stresste mich…es war quasi der gleiche Anfahrtsweg wie bei Lukas…nur zwei Ausfahrten auf der Bundestrasse eher abfahren. Wie das unerreichbare Bonbon-Glas auf dem Schrank aus der Sicht eines Kindes. Was würde ER wohl denken, wenn er wüsste, dass ich im seiner direkten Nachbarschaft mit dem Nächsten schlafe? Würde es ihn kalt lassen? Mich erfasste ein beklemmendes Gefühl wenn ich das Stadtschild passierte…ich wollte nicht die nächste Abfahrt raus…einfach mal weiterfahren?…natürlich NICHT!!Sollte ich ihn darüber in Kenntnis setzen?…dass ich einen anderen Mann date in seiner direkten Umgebung?…natürlich NICHT!!!Wenn wir uns demnächst zu viert an der Tanke begegnen…oder beim Ausgehen…dann wäre das eben so…Aber könnte ich in diesem Moment zu meinem Neuen stehen? sieh her, das ist der Mann, der mich will…und du hast mich weggeschmissen!! Er ist in Allem so viel besser als DU!!….(außer beim Sex…)

Doch nicht nur in Stuttgart verfolgte mich das Thema…ein Spaziergang mit dem Kopfhörer durchs eigene Viertel…vorbei an einem traditionell geführten Café mit den besten Torten der Stadt…von meiner Omi liebevoll Café Methusalem genannt, weil dort hauptsächlich gesetzteres Publikum verkehrte. Es gab parallel zur Torte ganz klassisch eine kleine Auswahl an Speisen (Toast Hawaii u.ä…alles dort war in den 70ern hängengeblieben…Inventar…das Kännchen Kaffee)…Es war wohl Freitag, denn verwitwete Damen nahmen an der bestuhlten Seite zur Straße GebackenesKabeljauFilet mit Kartoffelsalat und Remouladensauce zu sich (der Freitags-Klassiker).Plötzlich traf mich der Schlag….ich sah den BMW von Lukas…vor der Konditorei geparkt. Der wird doch nicht extra nach Karlsruhe kommen, weil ich den Kuchen mehrfach angepriesen habe? Vielleicht steht seine Neue auf Süßes? Oder seine Neue ist von hier????!! Wie schräg wäre das?? Definitiv nicht komisch!!!

Ich checkte das Nummernschild ein zweites Mal…falscher Alarm…ganz dicht dran, aber Buchstaben-und Zahlendreher…OMG…es beherrscht mich…er war wieder da…mit voller Wucht.

Er wollte auch nicht mehr gehen…quasi gekommen um zu bleiben…und das obwohl es bei mir und dem Komiker immer besser lief…er hatte Vertrauen gefasst, Blockaden lösten sich…sprich: es gab jetzt richtigen Sex…der auch echt in Ordnung war. Aber ich konnte den anderen nicht loslassen…egal wie großartig der Neue war…es war unbeschwert unkompliziert und immer lustig…warum wollte es nicht klappen? Will ich immer was ich ich nicht haben kann?

Und irgendwann erwischte ich mich dabei, wie ich überlegte wieder mit ihm in Kontakt zu treten…seine Nummer hatte ich gelöscht…eigentlich aus gutem Grund. Ich hatte nur noch seine Adresse…eine Postkarte? Ein Brief?…und was nehmen wir als Anlass für die Korrespondenz? Ostern war schon vorbei….

Ich hasste mich für diese Gedankengänge, aber mir wurde auch eines klar: es würde mir keine Ruhe lassen…wenn er eine Neue hätte, könnte er mir ja eine erneute Abfuhr erteilen und dann wäre das Thema vom Tisch. Dann hätte ich mich von seinem Geist befreit und könnte mit dem netten und liebevollen Mann ein paar Straßen weiter neu durchstarten.

Da er keinen Festnetzanschluss hatte, konnte mir auch der Telefonjoker 11833 nicht helfen und so fiel mir tatsächlich nichts Besseres ein, als auf die altmodische Form des Schreibens zurückzugreifen…auch etwas feige klar, aber sichere Distanz erschien mir da einfach bequemer.

Ich hatte auch einen Anlass gefunden: Er fing nächste Woche seinen neuen Job an und da wäre es doch eine schöne Geste, ihm zum Start alles Gute zu wünschen?!

Dies würde auch diskret ablaufen. Aus Rücksicht gegenüber der langhaarigen Schönheit gäbe es keinen wirklichen Absender auf der Karte…nur Grüße aus Karlsruhe…eventuell unterschrieben von einer oder einem „C“ (das ist dann so James-Bond-Geheimdienst-mäßig-geheimnisvoll). Frauen Ende 20 (älter war sie sicher nicht) können gerne mal aufbrausend werde aufgrund einer vollständig mit Adresskopf ausgefüllten Postkarte und Damenhandschrift…den Stress wollte ich ihm dann doch ersparen. Meine Telefonnummer wollte ich auch nicht erneut in sein Gedächtnis rufen und beschloss sie nicht erneut zu hinterlassen…das fand ich dann komischerweise erbärmlich an der ganzen Sache.

Eigentlich war der Plan schon durchdacht…bis mir einen Tag später mein altes Handy im Kinderzimmer in die Hände fiel…es war nicht mehr wirklich funktionstüchtig aber mein Sohn nutzte es manchmal um Musik zu hören. Vielleicht war seine Nummer durch die Cloud hier noch vorhanden? Ich spürte wie das Herz schneller schlug. Leider wollte das iPhone seine Geheimnisse nicht einfach so preisgeben: der Akku war mal wieder leer. So begannen qualvolle Minuten des Wartens…..bis der Apfel wieder aufleuchtete…ich ging in Kontakte und da war ER wieder…behutsam schrieb ich die Nummer auf um Zahlendreher zu vermeiden…mit zitternden Händen.

Irre, was durch falsch abgetippte Zahlenkombinationen alles so passieren kann…ich bekam mal einen morgendlichen Gruß, der zweifelsfrei irrtümlich an mich versendet wurde:

„Guten Morgen…mein harter Schwanz freut sich auf dein geiles Fötzelchen! Bis heute Abend!“

Was mich hierbei wirklich zum Nachdenken brachte war die Tatsache, dass sich hier zwei Menschen zwar offensichtlich näher kannten, es aber wohl nicht notwendig erschien, die Nummer des anderen abzuspeichern..so könnten Pannen beim Versenden vermieden werden und die Beziehung der Beiden (egal welcher Art) würde mit einer gewissen Festigkeit geehrt werden…wenn der Umgangston schon lasziv locker ist. Es wäre eine Wertschätzung der Frau, die der Typ da derzeit zu bumsen schien.

Der Text stand.

Er sollte unaufgeregt sein…neutral…und keinesfalls wie ein Hilferuf klingen…geschweige denn Sehnsucht rufen.

Hallo Lukas,

Ich meine mich zu erinnern, dass du in diesen Tagen deinen neuen Job antrittst…ich wünsche dir für den Start alles Gute..

Grüße C.

P.S ich habe deine Nummer schon länger gelöscht“

Ob er eine schöne arbeitsfreie Zeit gehabt habe hätte ein höflicher Mensch an dieser Stelle noch gefragt. Doch im wollte im Falle einer Antwort einfach nicht bestätigt haben, dass er sein Topmodel in den letzten 12 Wochen an den schönsten Stränden dieser Welt gevögelt hat.

Ich klickte auf Senden……

Fortsetzung folgt

Der Komiker…am Anfang ist es immer noch lustig (Teil V)

Nach dem misslungenen Kuss-Versuch stand für mich eines fest: ich steige auf kein Pferd mehr, das mich mal abgeworfen hat! Soll heißen: wenn wir uns beim nächsten Date näher kommen, dann kommt keine Initiative von meiner Seite…also erstmal. Aber das müsste ihm auch eigentlich selbst klar sein. Der Federhandschuh lag direkt vor seinen Füßen…und er schien sogar schon zu ticken (was ja sonst nie passiert…klar). Soll heißen: es war Eile geboten, diese seltsame Spannung, die ja nun mal entstanden war, irgendwie abzubauen. Ich konnte mich eigentlich zurücklehnen, da ich definitiv nicht am Zug war. Er musste nur gut mit der Herausforderung umgehen können…da ich das nicht sicher sagen konnte, beschloss ich vorerst nicht allzu relaxed zu sein.

Es kam der Tag, es kam die Gelegenheit…Kochen bei mir…und aufgrund der Entfernung plus geplantem Alkohol war dann irgendwie auch schnell klar, dass die Zahnbürste mitkam. Übernachtungsbesuche verlaufen in der Regel selten unschuldig, wenn man sich halbwegs anziehend findet.

Wichtige Regeln beim Kochen anlässlich eines Dates:

– nichts was die ganze Bude nach Essen riechen lässt (fette Frikadellen,Bratkartoffeln o.ä.)

– keine rohen Zwiebeln, und auch wenn es beide Essen-kein Knoblauch !!

– nichts Blähendes (fatal war mal ein Essen, bei dem Hauptessen nebst Beilage quasi nur aus Linsen bestand…keiner will sich danach mehr ausziehen…nicht mal mehr locker atmen, aus lauter Angst vor entweichenden Winden)

– schon während des Kochens Alkohol trinken !

– nichts Zeitaufwendiges! Schließlich steht das Essen nicht im Mittelpunkt sondern ist höchstens Mittel zum Zweck!

– alles gut durchgaren…keine Experimente mit rohen Lebensmitteln (Eier, Tatar, Fisch….wenn das Carpaccio-Fleisch doch vom Vortag war, könnte es für beide unschön werden und niemand braucht zum Auftakt eine gemeinsame Nacht mit Lebensmittelvergiftung)

Ich kenne die Geschichte eines Paares, das sich auch übers Internet kennengelernt hat…man lebte in großer Entfernung zueinander und schrieb sich über einen langen Zeitraum…irgendwann reiste sie zu ihm für ein Wochenende…im Gepäck dabei hatte sie nichtsahnend einen schlimmen Magen-Darm-Virus…Über eine Woche lag sie bei ihm flach…er pflegte sie…leerte regelmäßig Eimer, gab ihr seine T-Shirts zum wechseln, kaufte ihr Unterwäsche, kochte für sie nach seiner Arbeit…der absolute Horror um sich kennenzulernen…ABER: sie sind zusammengeblieben und immer noch glücklich! Das fiel mir jetzt eben wieder ein…beim Thema „Date mit Übergeben“

– nichts Schweres kochen…man möchte sich eventuell ja noch körperlich betätigen und sich nicht nur den Bauch reiben nach zu viel Schweinshaxe…

Also es gab eine leichte Pasta mit Cocktailtomaten, denn die sind unkompliziert und tun einem nichts in den folgenden Stunden.

Es folgte ein Filmabend…einer dieser Abende, die irgendwie echt zäh verlaufen, weil jeder auf den ersten Schritt des Anderen wartet. Ob 16 oder 36 Jahre…daran scheint sich nie was zu ändern.

Ich wollte mich ja eh Jungfrauen-gleich zurückhalten.

Doch irgendwann kommt er dann doch, der magische Moment, in dem sich beim Gegenüber noch kurz die Pupillen für eine Sekunde weiten und man sich dann nähert. Aufgrund der BarthaarHärte und Dichte wirklich auch eher langsam…aber er tat es…ich konnte das Wachs im Bart riechen…es roch angenehm vertraut…wie eine Pflegelinie, die ich auch benutze: was aus der Naturkosmetik…mit schier unnatürlichen Preisen. Mit solch gehegten&gepflegten Bärten hatte ich bisher noch keinen Kontakt, aber den hier mochte ich sehr…und auch seine Zunge, die mich mittlerweile suchte, während er mich während des Kusses näher an sich zog. Ich konnte es genießen…nicht nur weil er küssen konnte….sondern weil der „Fluch des ersten Kusses“ verflogen war. Was nicht heißen soll, dass es nun reibungslos vorwärts ging….

Knutscht man erst einmal in der eigenen heimeligen Privatsphäre, so fällt ziemlich schnell die ein oder andere Hemmung…und Vorsätze, wie weit man gehen wollte für heute, werden spontan noch einmal überarbeitet.

Ich steh ja für meinen Teil echt drauf, dem Mann frontal auf dem Schoß zu sitzen, die Beine auf dem Sofa in meine Richtung angewinkelt…schon während man auf „ihn steigt“ wandern seine Hände automatisch auf den Hintern…so nahe kann man am besten miteinander „rummachen“…und die Frau kann so am besten spüren, ob der Mann auch richtig Lust hat…schließlich sitzt man quasi genau da wo’s abgeht.

Da eine Übernachtung eh geplant war, ist der Satz „komm, wir gehen ins Bett“ eine irgendwann durchaus angebrachte Einladung.

Und so landeten wir eben auch genau dort…das Zähneputzen vor dem Zubettgehen wurde auf später vertagt, ebenso die Verteilung der Bettseite.

Wir zogen uns nach und nach aus…und eine Sache fiel mir direkt auf: irgendwie blieb er ziemlich „weich“….so was irritiert…eigentlich sind Männer ja eher genau an dieser Stelle an dem Punkt höchster Erregung…hm…mit Dirty Harry neulich war es ja auch an dem Punkt gescheitert.

Irgendwie wollte es nicht so recht klappen…wir hatten zwar Sex und ich empfand ihn für mich auch erfüllend, weil ich bei einem ersten Mal eben immer sehr sensibel auf neue Berührungen reagiere…diese Aufregung und das Unbekannte…da komme ich schnell in Stimmung….erst mit der Zeit stellt sich für mich heraus, ob ich es wirklich mit einem talentierten Liebhaber zu tun habe.

Doch plötzlich hörte er auf…es ging nichts mehr bei ihm…wir kuschelten daraufhin und redeten noch eine Weile…nicht über den irgendwie „unvollendeten Akt“…ich schob es auf seine Nervosität…ich wollte nicht dran denken, dass es was mit mir zu tun haben könnte…waren wir zu schnell? Schon mein Kussversuch…oder eher die Kussattacke hatten ihn in Panik versetzt.

Ich lag noch lange wach…während er schon schlief (Männer können das immer, egal was vorher war)…und dachte nach…und irgendwann landeten meine Gedanken bei dem Mann, mit dem ich so fantastischen Sex gehabt hatte und zu dem ich mich so hingezogen fühlte, wie zu kaum einem anderen Mann….Lukas, der ebenfalls aus Stuttgart kam…der so unerreichbar für mich geworden war….

dann zwang ich mich, wieder an etwas anderes zu denken….„presse ich morgen früh Orangen aus oder nehme ich den Rest Saft aus der Tüte?…zum schlechten Bäcker gegenüber oder lieber Auto nehmen um die guten Croissants aus dem Viertel nebenan zu besorgen?…lieber das noch offene MarmeladenGlas mit möglichen Butter-und Krümelresten oder besser gleich ein Neues?……..ob er wirklich eine Freundin hat? Denkt er auch manchmal an mich, wenn sie neben ihm im Bett schläft?……….“

Fortsetzung kommt…!

Der Komiker…(Teil IV)

Es war eine rasante Flucht….ich wusste zwar, dass Stuttgart voll von Radarfallen war, aber das war mir herzlich egal. Ich wollte nur hier weg! Scham überkam mich….der größte Antrieb überhaupt sich davonzumachen…wenn sich der Boden partout nicht auftun will.

Auf der Autobahn fuhr ich sehr viel schneller als erlaubt und ich konnte sehr froh sein, dass sich auch die Polizei am Wegesrand nicht dafür interessierte…um die Uhrzeit war es selbst auf dieser Autobahn sehr leer und mit etwas Engagement seitens des Streifenwagens hätte die Nacht in einer größeren Katastrophe enden können…weil ich natürlich auch zusätzlich das Handy am Ohr hatte, um meiner Freundin mein Leid des Abends…und überhaupt mit den Männern hier…zu schildern. Ich erreichte nur ihre Mailbox, aber das hinderte mich nicht: es musste raus…alles…der verlorene Mann, dessen Nähe ich förmlich gespürt hatte (wenige hundert Meter) und der neue Mann, der aus meinem Auto hechtete und in sein Haus flüchtete, weil ich ihn zu küssen versucht habe. Zu viel für mich. Hoffentlich wirke ich nicht zu verzweifelt, dachte ich noch, als ich die ewig lange Sprachnachricht auf den Weg schickte.

Jemanden nicht vergessen zu können ist das eine…aber wenn man bei einem Neustart direkt zurückkatapultiert wird, dann ist man mit seinen Gefühlen und Gedanken ganz schnell wieder da, wo man nicht mehr hinwollte: warum hat er eine andere mir vorgezogen? Sich nie wieder gemeldet? Und warum flüchtet ein Mann, wenn ich ihm nahe komme? Er war doch offensichtlich angetan von mir!? Kein Mann hatte zuletzt (oder jemals) einen Kuss ausgeschlagen? Was stimmt nicht mit mir?

Irgendwann bog ich in meine Straße ein…ohne mich an den Streckenverlauf erinnern zu können…alles voll mit Gedanken. Ich war heilfroh zuhause zu sein…an schlafen war nicht zu denken.

Das WhatsApp-Glöckchen schellte

Komiker: Bist du gut angekommen?

Ich: ja….gerade eben.

Ich schrieb ihm dass es mir leid tat, ihn derart überfallen zu haben. Ich sei davon ausgegangen, dass er es auch wollte, aber dass er offensichtlich nicht so auf mich abfahre.

NEIN antworte er, so sei es ganz und gar nicht…er war einfach mit der Situation vollkommen überfordert gewesen, dass ich so direkt auf ihn zu gegangen sei. Er wollte es langsam angehen lassen…auch als Zeichen der Wertschätzung mir gegenüber. Dieser für ihn überstürzte Kuss habe ihn vollends aus dem Konzept gebracht.

Was bin ich für ein Idiot! Was hat dieses ganze Daten aus mir gemacht?! Ich küsse einen Mann beim zweiten Date und komme nicht mal eine Sekunde auf die Idee, dass er das für zu früh halten könnte. Für die meisten stellt sich wohl eher die Frage, ob Sex beim zweiten Date angebracht sei. Als ich ihn im Auto küsste, dachte ich auch kurz daran, ob ich jetzt mit ihm hochginge, wenn sich körperlich hier was intensivieren sollte…und ob ich bereit sei…also von der inneren Stimme her…und der Tatsache, dass mir das notwendige Übernachtungsköfferchen fehlte…oder zumindest eine Zahnbürste und ein wenig Abschminkzeug!

Ich war also abgestumpft…was für eine ernüchternde Erkenntnis. Die Frau, die ich vor diesem ganzen Dating-Wirrwarr mal war hätte nie einfach einen Mann geküsst nach kurzem Kennenlernen. Ich hatte mich verloren. Ich erkannte nicht mal mehr, wenn uns ein Mann Zeit geben wollte. Man war einfach daran gewöhnt, dass alles schnelllebig war: Schnelles Kennenlernen übers Internet, intensive kurze Zeit des Schreibens, Date, Sex….postkoitaler KommunikationsStillstand oder Fortsetzung.

Er würde mich übrigens gerne küssen in naher Zukunft.

Ich war erleichtert…es lag nicht an mir…nun ja, irgendwie schon…aber das Ei hatte ich mir selbst gelegt. Ein eigenes Opfer der Herangehensweise, die ich bei anderen verurteilte: zu schnell, zu fordernd, zu oberflächlich.

Also ein Schritt ruhigen Gewissens zurück…auf die Bremse treten. Eigentlich bin ich doch auch so…wann bin ich denn derart transformiert?!? Scheisse verdammt…was ist denn das für eine Art rauszufinden, wie man auf den anderen wirkt?! Eine Art Schnelltest??? Wenn er schnell mit dir ins Bett wollte…dann ist das…und das weißt du, kein Zeichen von besonderer Zuneigung. Also komm‘ wieder klar.

Ich bediente mich meiner üblichen Selbsthilfe um besser einzuschlafen: GZSZ auf dem Tablet im Bett schauen. (Ich bin nicht stolz drauf, aber mir hilft es…mein Gehirn fährt dabei einfach runter…wahrscheinlich weil die eigenen Probleme mit den Mitmenschen lächerlich klein sind im Gegensatz zu dem mit was sich John, Kathrin, Tuner&Co. in der Hauptstadt so rumschlagen müssen).

Trotzdem schlief ich schlecht…ich wollte schnell einen neuen Morgen…einen neuen Beginn, alles nochmal auf Anfang….alles wieder möglichst unschuldig…so wie die ersten gemeinsamen Dates gerne sein dürfen….und es fühlt sich doch echt auch gut an!

Wird fortgesetzt!

Der Komiker…Spaß ist es erst wenn beide lachen (Teil III)

Was will man über ein erstes Date sagen, bei dem einer von beiden offensichtlich zu kämpfen hat, den Abend einigermaßen zu überstehen weil er unübersehbar von einer Grippe gezeichnet ist?!😪🤒

Nun…man zieht es eben durch…Eher sachlich als locker…eher Fakten sammeln statt gewitzte Konversation…eher stochern im Essen, weil krankheitsbedingt die Geschmacksnerven ausgebremst sind. Und für eine Frau ist es immer sachdienlich zu wissen, wie sich die ein Typ im Krankheitsfall verhält: Mann oder Maus??

Dass er mir nicht abgesagt hat zeugt schon mal von Kampfgeist. Der ein oder andere Kollege hätte sich von solch Schwäche gezeichnet nicht unter Leute begeben…von uns Frauen ganz zu schweigen…weil man nun mal scheisse aussieht, wenn sich sämtliche Schleusen des Körpers auftun. Wir überlegen ja schon, ein Date wegen eines schwierig zu kaschierenden Pickels unter dem Vorwand eines schlimmeren Ereignisses zu stornieren.

Der rote Mann trug wohl gerne Kopfbedeckungen…meist Baseball-Caps, war knapp über 1,80m und obwohl nebenberuflich Comedian eben heute mal weniger zu Scherzen aufgelegt…er erinnerte mich an den rotbärtigen Wildling aus Game of Thrones…nur lebte der nicht von seiner Ehefrau getrennt. Aber an sowas bin ich mittlerweile gewöhnt…Männer Anfang 40 sind nun mal oft noch verheiratet…ich ergreife nur die Flucht, wenn ich die Vermutung oder Sicherheit habe, dass die räumliche Trennung noch nicht vollzogen wurde. Meist weiß die Ehefrau nämlich noch gar nichts davon, dass die Scheidung „unmittelbar bevorsteht, echt!“ und sucht beim Inneneinrichter ihres Vertrauens ganz gelassen die neuen Vorhänge für die nächsten 15 Jahre im trauten Heim aus, während der Gatte eine stattliche Anzahl von Dates abarbeitet.

Nach zwei Stunden bat er mich nach Hause zu dürfen 😬

Ich nahm es nicht persönlich…es ging ihm sichtlich schlecht…jeder zweite Satz wurde durch den Griff zum Taschentuch unterbrochen.

Wir verabschiedeten uns aus einer gewissen Distanz um einer Virenübertragung möglichst wenig Spielraum zu lassen.

Es war natürlich alles jetzt nicht überwältigend unter den gegeben Umständen, aber ich mochte ihn auf Anhieb und wollte ihn auch bald wieder sehen…..

Wir hatten die nächsten Tage eine Dauer-Standleitung: Telefonieren, WhatsApp und dazu Sprachnachrichten. Es war unterhaltsam, lustig und er gab mir seine volle Aufmerksamkeit…was sich immer echt gut anfühlt. Wenn Männer sich erst einmal anfangs selbst nicht in den Vordergrund drängen und der Frau das Gefühl vermitteln, sie sei für ihn jetzt das Maß aller Dinge und er wolle alles über sie wissen…an ihr teilhaben dürfen…das schmeichelt natürlich und so kann er ordentlich Pluspunkte scheffeln.

Er lud mich zu einem Auftritt von sich ein…für das kommende Wochenende…in der Verbotenen Stadt. Es passierte also: ich würde zurückkehren. Schon nach wenigen Monaten. Wahrscheinlich wäre es nicht wunderlich, wenn die Welt nicht nur klein, sondern an dem Abend sogar so scheisse klein werden würde, dass Lukas mit neuer Begleitung auch dort auftauchen würde.

Freitags fuhr ich los…ich stand auf der Gästeliste. Als ich die Adresse ins Navi eingab stand für mich fest, jeden Umweg in Kauf zu nehmen, um nicht an der „alten Adresse“ vorbei zu müssen. Das Gute an Affären ist wohl, dass man nicht viel von der Stadt des Lovers gezeigt bekommt außerhalb des Schlafzimmers und so konnte ich auf der Fahrt mitten durch die Stadt sicher sein, keine Stationen gemeinsamer Unternehmungen wiederzusehen, um auf irgendeine Art melancholisch werden zu können.

Lediglich die Location war genau gegenüber seinem Arbeitgeber…und das war nicht mal mehr aktuell. Er hatte schon gekündigt und die drei vollen Monate Freizeit bis zum Antritt des neuen Jobs wollte er mit Reisen aller Art verbringen…wahrscheinlich mit der Neuen….nun ja, dieser Gedanke versetze mir wohl doch einen kleinen Stich. Wahrscheinlich kümmerte es ihn gerade null…irgendwo auf der Welt, wo er nun war, dass ich hier in seiner Homebase herumschwirrte…und auch das Motiv würde ihn wohl wenig beeindrucken, denn er war sicher glücklich wo er war…und mit seiner Begleitung. Seufz.

Ich betrat den Veranstaltungsbereich und erspähte die Frau „an der Tür“ mit Klemmbrett. Noch ehe ich meinen vollständigen Namen und “ auf der Gästeliste“ sagen konnte, bewegte sich der schwarze Vorhang, hinter dem sich wohl alles abspielte zur Seite und da stand der Komiker. Er lächelte offenherzig als er mich sah…er hatte eindeutig freudig auf mich gewartet…daran ließ sein Blick kein Zweifel…Ich versuchte meine Gefühle und Gedanken zu ergründen und erfühlen, als er nun zum zweiten Mal vor mir stand. Was passiert in mir, wenn ich in mich reinhöre? Irgendwie nicht so viel wie ich mir erhofft hatte, stellte ich enttäuscht fest. Vielleicht war der Ort einfach nicht neutral genug?

Der Abend war wirklich lustig…neben ihm traten noch drei weitere Künstler auf und hätte ich ihn bezahlen müssen, der Abend wäre den Eintritt wert gewesen…auch stellte ich zu Beginn erleichtert fest, dass ich niemanden kannte.

Wir gingen danach mit dem ganzen Ensemble noch was essen…ich bemerkte, dass ich mich sehr wohl bei ihm fühlte. Seine Gesellschaft tat gut.

Aber gegen 0.00 Uhr wollte ich mich langsam auf den Heimweg machen.

Er : ,,Kannst du mich vielleicht nach Hause fahren?“

– 💭 was?? Ich kann dich nicht nach Hause fahren…du wohnst in der Forbidden Area?!!!💭

,,Äh ja klar….bist du nicht mit dem Auto da?“

Er : ,,Äh nein…bin mit der Straßenbahn hier…wäre das ok?“

Natürlich war das ok. Manchmal muss man sich den Dingen eben stellen.

Ich ließ mich von ihm lotsen und bald standen wir vor seiner Haustüre. Nun ergriff mich ein Gedanke, für den ich noch keine Zeit gefunden hatte: wollte er mich jetzt mit nach oben nehmen??

Wir redeten noch eine Ewigkeit und irgendwie schienen beide drauf zu warten, dass der andere den ersten Schritt machte. Na gut, dachte ich…küss‘ ihn einfach und schau‘ was passiert….gesagt getan…ich kam nah auf ihn zu und drückte ihm einfach meine Lippen auf seine (auf).

Und plötzlich wurde es hektisch: er ergriff die Flucht…ein kurzes „Ok-vielen-Dank-gute-Fahrt-und-gute-Nacht“ schon war er raus aus dem Auto und schon war er im Haus verschwunden…das letzte was ich sehen konnte war wie das Licht im Treppenhaus anging und eine Silhouette nach oben eilte.

😳

Ääääh okkkay…. ich war: irritiert? geschockt?

Ich beschloss ebenso in Panik zu verfallen, startete das Fluchtauto und fuhr los (ohne quietschende Reifen)…

Vorbei an Häuserzeilen, die mir von der Architektur verrieten, dass ich ganz nah an IHM dran war….irgendwann endlich auf dem Weg zur Autobahn und dort angekommen: Vollgas!

Was ist nur los mit den Männern hier???

Fortsetzung folgt natürlich…!

Der Komiker….Spaß ist es erst,wenn beide lachen (Teil II)

Manchmal frage ich mich, warum es außerhalb des Online-Datings so gar nicht matchen mag….während ich dort regelmäßig auf neue Bekanntschaften treffe, will sich im realen Leben so gar nichts ergeben: ich lerne einfach keine Männer kennen! Klar, wenn ich tagsüber auch einen Fünfjährigen im Schlepptau habe….kein Wunder. Aber auch wenn ich ausgehe…die Single-Frau bin und nicht die Mama…keine magischen Begegnungen und keine Flirts.

Vor ein paar Tagen war ich im dm…mit den steigenden Temperaturen stiegen bei mir im EG auch leider die Krabbeltiere wieder ein. Also packte ich Insektenfallen und diverse andere Dinge in den Korb, von denen ich wenige Minuten zuvor noch dachte, sie nicht zwingend zu benötigen. Aber auch das Gute-Nacht-Bad für’s Kind. Ich entdeckte zwischen den Regalen plötzlich einen attraktiven Herren bei den Food-Artikeln…eine reduzierte Form eines Brad Pitts, sehr gepflegt und eigentlich schon zu wenig hetero, als das ein Mann um die frühe Zeit schon so stylish und wach gecremt unterwegs sein könnte.

Ich erweiterte meinen Einkauf unnützer Dinge auf Essbares, um ihn mir aus der Nähe anzusehen. Doch, wirklich nett…von mir schien er nicht wirklich Notiz zu nehmen. Einfach schwul? Wir verloren einander zwischen den Hautpflege-Produkten und irgendwann ging ich zur Kasse. Dort packte ich meine Ware aufs Band und registrierte, dass er gerade bezahlt hatte und schon seine Tüte befüllte…er schaute nach oben, sein Blick fiel auf meine Sachen und schon konnte er anhand meines Einkaufs erkennen, mit wem ich so zuhause co-existierte: eine ihm noch unbekannte Anzahl an Kindern und Silberfischchen…da war er auch schon weg!

Zum Trost bekam ich beim Hinausgehen eine Nachricht vom Komiker, mit dem ich jetzt mittlerweile über WhatsApp statt über Tinder schrieb. Damit macht man den ersten bedeutenden Schritt.

Wir wollten uns nach zwei Wochen auf ein erstes Date treffen…übermorgen, unter der Woche, weil ich kinderfrei hatte…im nobelsten Burger-Laden bei mir in der Stadt. Ein Mann sollte bei einer größeren Entfernung die Reise zuerst antreten finde ich…als Zeichen des guten Willens.

Jetzt gab es nur noch eine Sache, die wie eine dunkle Wolke aufzog und alles ins Wanken bringen könnte : bei ihm kündigte sich eine Erkältung an!

Ja, ich weiß, er kann nichts dafür….aber ich hasse es mittlerweile wenn ich nicht weiß, ob ein Date stattfindet…sei es weil die Kommunikation vorher ins Stocken kommt (vielleicht weil er noch nicht sicher ist, welche Frau er denn jetzt als Nächstes daten soll?), der Babysitter seinerseits noch nicht feststeht oder eben wie jetzt: die Gesundheit in Gefahr ist. Ich werde tatsächlich etwas ungehalten, wenn ich nicht weiß ob ich mit einem Date planen kann oder nicht. Wahrscheinlich wird man da einfach etwas dünnhäutig mit der Zeit. Hat sicher auch damit zu tun, dass sich nach einer Zeit des Schreibens nun langsam der Vorhang hebt und man dem Menschen im wahren Leben begegnet. Das macht einen wohl automatisch etwas angespannter und wenn einem abgesagt wird, dann zieht sich das ja um einen noch unbekannten Zeitraum weiter zäh in die Länge.

So überwachte ich also aus der Ferne seinen Gesundheitszustand…ließ mir ständig Bericht geben. Ich hoffte, dass er wie viele Männer seinen Infekt nur etwas hochpushte um Aufmerksamkeit zu bekommen…krank? Bestimmt, keine Frage…aber vielleicht ja eben doch nur leicht angeschlagen und durchaus in der Lage, die 140km plus Abendessen ohne Folgeschäden zu überleben.

Es blieb spannend…

Am Morgen des Dates schickte er mir ein Selfie. Darauf sah ich ihn am Bürotisch (man verdient als Comedian wohl nicht so gut um allein davon leben zu können…also arbeitet man hauptberuflich auf einem Amt für whatever)…er hatte bewusst ein trauriges Gesicht mit Schnute aufgesetzt, was wohl Mitleid erregend/komisch rüberkommen sollte und vor ihm waren diverse Medikamente aufgereiht, eine TaschentücherBox und einen Joghurt (um zu zeigen, dass mehr Nahrungsaufnahme gerade nicht ging)….für mich die klassische Einleitung einer Absage….ich war schon etwas genervt. An dieser Stelle hätte ich wohl einfühlsam vorschlagen sollen das Essen zu verschieben….tat ich aber nicht. Egoistisch wollte ich das Treffen durchsetzen….ich wollte endlich wissen, mit wem ich es diesmal zu tun hatte.

Er schien wohl zu spüren, dass ich ihm in der Hinsicht nicht die Hand reichen wollte und so bestätigte er drei Stunden vor Termin die TischReservierung…na also, geht doch…dann kann es ja so schlimm nicht sein 👍🏻😬….

Fortsetzung folgt….

Der Komiker…Spaß ist es erst wenn beide lachen (Teil I)

,,‚Cause every heartbreak makes it hard to keep the faith“…..selbst Lady Gaga ist schon auf den Trichter gekommen…und es ist selten, dass ich ihr in etwas beipflichte (unser Lifestyle unterscheidet sich schon sehr) aber hier bringt sie es auf den Punkt: jeder noch so klein erscheinende Ritz ins Herz verursacht eine kleine Narbe…und die Kerben am Bettpfosten, auch sie machen einem bewusst, dass immer etwas mit einem passiert, wenn man etwas von sich öffnet…egal ob Herz oder BH-Verschluss.

Es muss ja nicht immer gleich der klassische Heartbreak sein…aber die Sache mit Harry hatte mich mitgenommen. Weil ich mich fühlte wie ein ausgespuckter Kaugummi….diesmal war die Seele unter Beschuss geraten und böse getroffen worden. Immer wenn ich an diese seltsame Nacht dachte, überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Leider sah ich die Szenerie immer wieder vor mir…und mich überkam jedes Mal Scham. Ich musste es vergessen…so schnell wie möglich diese Erinnerung auslöschen.

Nach dem Date ist vor dem Date….also in gewohnt optimistischer Manier zurück in die wundervolle Welt von Tinder eintauchen. Es mag vielen befremdlich erscheinen…diese Flucht ins nächste Abenteuer. Auch das inbegriffene Risiko erneut böse aufzulaufen. Man flüstert sich Mut zu, spricht ein innerliches Gebet zu sich selbst…diesmal wird es sicher klappen…denn man hat ja mal wieder dazugelernt. Um dies auch nach außen zu zeigen sucht man den Frisör auf und kleidet sich in einem neuen Look: alles auf Anfang!

Gut, es lief diesmal nicht gut an bei Tinder. 

Man kann das Einzugsgebiet ja selbst bestimmen…und da sah ich sie wieder: die Männer vergangener Dates und erfolgloser Begegnungen…den Pferdeflüsterer, Florian mit dem Mikro-Pimmel (jetzt auch auf Tinder), der Cop und diverse andere. Waren sie je mal abgemeldet gewesen? Wollte sie langfristig Keine haben? Mir erschienen sie wie ein Mahnmal…der Kreuzweg der Verflossenen. Es MUSS definitiv besser laufen künftig, sonst kenne ich hier bald jeden beim kompletten Namen inklusive privatem Werdegang…und das fällt eben auch wieder auf mich zurück.

Die Männer, die sich rund um mein Viertel und dem erst von KA als must-have anpriesen, waren irgendwie nichts auf den ersten Blick. Ich kann nicht beschreiben was mich zu einem Klick bewegt…er ist es dann eben: ansehen, wirken lassen…passiert etwas? Was sagt das Bauchgefühl? Und letztlich sollte man sich die Zeit nehmen das Kleingedruckte, sprich die Selbstbeschreibung (falls vorhanden) zu studieren. Schnell hat man jemanden auf GRÜN geschoben, der sich beim genauen Nachlesen als bekennender ONS-Pirat entpuppt…darf er ja…und man selbst später nicht motzen, weil er sich nicht binden möchte…also bitte nur ernstgemeinte Zuschriften erbeten!

Ich musste meinen Radius immer mehr erweitern…irgendwann war ich bei Kilometer 70 angekommen…es war die kritische Grenze…denn es könnte ab nun Stuttgart bedeuten. Ich wollte das unbedingt vermeiden.

Aber es könnte ja ja auch heißen: 70 km in die entgegengesetzte Richtung! Der Schwarzwald ist sehr reizvoll!!

Lukas/Stuttgart würde ich so oder so hier nicht antreffen, da er nicht über den erforderlichen Facebook-Account verfügte.

Irgendwann fiel mir ein auffällig gestaltetes Profil auf.

Es gehörte einem wohl künstlerisch ambitionierten Herren, von dem ich nicht wusste, ob dieses ganze BUNT, mit dem seine Bilder ausgeschmückt waren, nicht vielleicht etwas schräg daherkam. Er erschein mir modisch, hatte rot-braunes Haar gepaart mit kurz gehaltenem Vollbart und war wohl Dauer-Käppi-Träger….ich wischte und urteilte mit einem Like.

Dingeling: ihr habt ein Match!

Immerhin….wir waren im Spiel.

Als erste Kontaktaufnahme sendete er mir ein GIF….es erschein Carlton aus der Serie Der Prinz von Bel Air, der sich über irgendwas sichtlich offenherzig freute…mein Gegenüber wollte wohl bekunden, wie sehr er über das Match entzückt war.

Oh je…war er ein Freak?? Warum nicht einfach ein kurzes Hallo?

Aber ich sollte mich irren! Der Komiker war, wie es sich erahnen lässt, humorvoll, intelligent, wortgewandt und das alleine machte ihn schon interessant…man ist ja über jeden froh, der einen halbwegs gelungenen geraden Satz formulieren kann.

Frauen arbeiten ja gerne mit Synonymen. Wenn wir mit Freundinnen über Männer reden dann sprechen wir nicht über Christian/Tobias/Felix…wir sprechen wie beim Geheimdienst. Dann nennen wir sie London (weil er einen Reiseführer bei sich trug, als ich und meine Freundin ihm in der Stadt begegneten), Müllmann (weil Abfall-Trennung vehement abgelehnt wird) oder auch mal Captain Schwanz (spekulativ bis selbsterklärend)…man braucht ihn nur beim jeweiligen Codenamen zu nennen, schon weiß die andere Bescheid und zieht automatisch laut Luft durch die angespitzten Lippen ein…ein Pfeifen nach innen und die Augen aufmerksam weit geöffnet: man weiß, beide Agentinnen sprechen vom selben Mann.

Der Komiker war bei uns der Komiker weil er eben als Comedian umhertingelte…also im kleinen Stil…keinen großen Hallen, kein Promi-Status. All das schrieb er mir in unseren ersten Sätzen. als ich ihn auf eines seiner Profilbilder ansprach, das ihn auf einer Bühne zeigte. Ok, ich hab‘ nix gegen ulkig.

Er war die obligatorischen fünf Jahre älter als ich…lebte von seiner Frau schon länger getrennt und hatte zwei pubertierende Kinder.

Eine andere frage brennte mir am meisten unter den Nägeln: wo lebst du?

,,In Stuttgart!“

Treffer…versenkt!

,,Und wo da? Ich bin ein wenig ortskundig….“

Er nannte mir seine Straße…ich öffnete direkt Google Maps und sah mir das mal genauer an.

Ich erstarrte….Lukas und er wohnten nur einige hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt in zwei aneinander grenzenden Stadtteilen.

What the f*** !!!!Wieviel Pech kann man haben???!!!

Er war mir allerdings schon zu sympathisch, als das ich den Kontakt mit ihm direkt wieder abbrechen wollte.

Und so musste ich mich der Frage stellen:

War ich bereit, in die Verbotene Stadt zurückzukehren?