Der Komiker….Spaß ist es erst,wenn beide lachen (Teil II)

Manchmal frage ich mich, warum es außerhalb des Online-Datings so gar nicht matchen mag….während ich dort regelmäßig auf neue Bekanntschaften treffe, will sich im realen Leben so gar nichts ergeben: ich lerne einfach keine Männer kennen! Klar, wenn ich tagsüber auch einen Fünfjährigen im Schlepptau habe….kein Wunder. Aber auch wenn ich ausgehe…die Single-Frau bin und nicht die Mama…keine magischen Begegnungen und keine Flirts.

Vor ein paar Tagen war ich im dm…mit den steigenden Temperaturen stiegen bei mir im EG auch leider die Krabbeltiere wieder ein. Also packte ich Insektenfallen und diverse andere Dinge in den Korb, von denen ich wenige Minuten zuvor noch dachte, sie nicht zwingend zu benötigen. Aber auch das Gute-Nacht-Bad für’s Kind. Ich entdeckte zwischen den Regalen plötzlich einen attraktiven Herren bei den Food-Artikeln…eine reduzierte Form eines Brad Pitts, sehr gepflegt und eigentlich schon zu wenig hetero, als das ein Mann um die frühe Zeit schon so stylish und wach gecremt unterwegs sein könnte.

Ich erweiterte meinen Einkauf unnützer Dinge auf Essbares, um ihn mir aus der Nähe anzusehen. Doch, wirklich nett…von mir schien er nicht wirklich Notiz zu nehmen. Einfach schwul? Wir verloren einander zwischen den Hautpflege-Produkten und irgendwann ging ich zur Kasse. Dort packte ich meine Ware aufs Band und registrierte, dass er gerade bezahlt hatte und schon seine Tüte befüllte…er schaute nach oben, sein Blick fiel auf meine Sachen und schon konnte er anhand meines Einkaufs erkennen, mit wem ich so zuhause co-existierte: eine ihm noch unbekannte Anzahl an Kindern und Silberfischchen…da war er auch schon weg!

Zum Trost bekam ich beim Hinausgehen eine Nachricht vom Komiker, mit dem ich jetzt mittlerweile über WhatsApp statt über Tinder schrieb. Damit macht man den ersten bedeutenden Schritt.

Wir wollten uns nach zwei Wochen auf ein erstes Date treffen…übermorgen, unter der Woche, weil ich kinderfrei hatte…im nobelsten Burger-Laden bei mir in der Stadt. Ein Mann sollte bei einer größeren Entfernung die Reise zuerst antreten finde ich…als Zeichen des guten Willens.

Jetzt gab es nur noch eine Sache, die wie eine dunkle Wolke aufzog und alles ins Wanken bringen könnte : bei ihm kündigte sich eine Erkältung an!

Ja, ich weiß, er kann nichts dafür….aber ich hasse es mittlerweile wenn ich nicht weiß, ob ein Date stattfindet…sei es weil die Kommunikation vorher ins Stocken kommt (vielleicht weil er noch nicht sicher ist, welche Frau er denn jetzt als Nächstes daten soll?), der Babysitter seinerseits noch nicht feststeht oder eben wie jetzt: die Gesundheit in Gefahr ist. Ich werde tatsächlich etwas ungehalten, wenn ich nicht weiß ob ich mit einem Date planen kann oder nicht. Wahrscheinlich wird man da einfach etwas dünnhäutig mit der Zeit. Hat sicher auch damit zu tun, dass sich nach einer Zeit des Schreibens nun langsam der Vorhang hebt und man dem Menschen im wahren Leben begegnet. Das macht einen wohl automatisch etwas angespannter und wenn einem abgesagt wird, dann zieht sich das ja um einen noch unbekannten Zeitraum weiter zäh in die Länge.

So überwachte ich also aus der Ferne seinen Gesundheitszustand…ließ mir ständig Bericht geben. Ich hoffte, dass er wie viele Männer seinen Infekt nur etwas hochpushte um Aufmerksamkeit zu bekommen…krank? Bestimmt, keine Frage…aber vielleicht ja eben doch nur leicht angeschlagen und durchaus in der Lage, die 140km plus Abendessen ohne Folgeschäden zu überleben.

Es blieb spannend…

Am Morgen des Dates schickte er mir ein Selfie. Darauf sah ich ihn am Bürotisch (man verdient als Comedian wohl nicht so gut um allein davon leben zu können…also arbeitet man hauptberuflich auf einem Amt für whatever)…er hatte bewusst ein trauriges Gesicht mit Schnute aufgesetzt, was wohl Mitleid erregend/komisch rüberkommen sollte und vor ihm waren diverse Medikamente aufgereiht, eine TaschentücherBox und einen Joghurt (um zu zeigen, dass mehr Nahrungsaufnahme gerade nicht ging)….für mich die klassische Einleitung einer Absage….ich war schon etwas genervt. An dieser Stelle hätte ich wohl einfühlsam vorschlagen sollen das Essen zu verschieben….tat ich aber nicht. Egoistisch wollte ich das Treffen durchsetzen….ich wollte endlich wissen, mit wem ich es diesmal zu tun hatte.

Er schien wohl zu spüren, dass ich ihm in der Hinsicht nicht die Hand reichen wollte und so bestätigte er drei Stunden vor Termin die TischReservierung…na also, geht doch…dann kann es ja so schlimm nicht sein 👍🏻😬….

Fortsetzung folgt….

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Der Komiker…Spaß ist es erst wenn beide lachen (Teil I)

,,‚Cause every heartbreak makes it hard to keep the faith“…..selbst Lady Gaga ist schon auf den Trichter gekommen…und es ist selten, dass ich ihr in etwas beipflichte (unser Lifestyle unterscheidet sich schon sehr) aber hier bringt sie es auf den Punkt: jeder noch so klein erscheinende Ritz ins Herz verursacht eine kleine Narbe…und die Kerben am Bettpfosten, auch sie machen einem bewusst, dass immer etwas mit einem passiert, wenn man etwas von sich öffnet…egal ob Herz oder BH-Verschluss.

Es muss ja nicht immer gleich der klassische Heartbreak sein…aber die Sache mit Harry hatte mich mitgenommen. Weil ich mich fühlte wie ein ausgespuckter Kaugummi….diesmal war die Seele unter Beschuss geraten und böse getroffen worden. Immer wenn ich an diese seltsame Nacht dachte, überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Leider sah ich die Szenerie immer wieder vor mir…und mich überkam jedes Mal Scham. Ich musste es vergessen…so schnell wie möglich diese Erinnerung auslöschen.

Nach dem Date ist vor dem Date….also in gewohnt optimistischer Manier zurück in die wundervolle Welt von Tinder eintauchen. Es mag vielen befremdlich erscheinen…diese Flucht ins nächste Abenteuer. Auch das inbegriffene Risiko erneut böse aufzulaufen. Man flüstert sich Mut zu, spricht ein innerliches Gebet zu sich selbst…diesmal wird es sicher klappen…denn man hat ja mal wieder dazugelernt. Um dies auch nach außen zu zeigen sucht man den Frisör auf und kleidet sich in einem neuen Look: alles auf Anfang!

Gut, es lief diesmal nicht gut an bei Tinder. 

Man kann das Einzugsgebiet ja selbst bestimmen…und da sah ich sie wieder: die Männer vergangener Dates und erfolgloser Begegnungen…den Pferdeflüsterer, Florian mit dem Mikro-Pimmel (jetzt auch auf Tinder), der Cop und diverse andere. Waren sie je mal abgemeldet gewesen? Wollte sie langfristig Keine haben? Mir erschienen sie wie ein Mahnmal…der Kreuzweg der Verflossenen. Es MUSS definitiv besser laufen künftig, sonst kenne ich hier bald jeden beim kompletten Namen inklusive privatem Werdegang…und das fällt eben auch wieder auf mich zurück.

Die Männer, die sich rund um mein Viertel und dem erst von KA als must-have anpriesen, waren irgendwie nichts auf den ersten Blick. Ich kann nicht beschreiben was mich zu einem Klick bewegt…er ist es dann eben: ansehen, wirken lassen…passiert etwas? Was sagt das Bauchgefühl? Und letztlich sollte man sich die Zeit nehmen das Kleingedruckte, sprich die Selbstbeschreibung (falls vorhanden) zu studieren. Schnell hat man jemanden auf GRÜN geschoben, der sich beim genauen Nachlesen als bekennender ONS-Pirat entpuppt…darf er ja…und man selbst später nicht motzen, weil er sich nicht binden möchte…also bitte nur ernstgemeinte Zuschriften erbeten!

Ich musste meinen Radius immer mehr erweitern…irgendwann war ich bei Kilometer 70 angekommen…es war die kritische Grenze…denn es könnte ab nun Stuttgart bedeuten. Ich wollte das unbedingt vermeiden.

Aber es könnte ja ja auch heißen: 70 km in die entgegengesetzte Richtung! Der Schwarzwald ist sehr reizvoll!!

Lukas/Stuttgart würde ich so oder so hier nicht antreffen, da er nicht über den erforderlichen Facebook-Account verfügte.

Irgendwann fiel mir ein auffällig gestaltetes Profil auf.

Es gehörte einem wohl künstlerisch ambitionierten Herren, von dem ich nicht wusste, ob dieses ganze BUNT, mit dem seine Bilder ausgeschmückt waren, nicht vielleicht etwas schräg daherkam. Er erschein mir modisch, hatte rot-braunes Haar gepaart mit kurz gehaltenem Vollbart und war wohl Dauer-Käppi-Träger….ich wischte und urteilte mit einem Like.

Dingeling: ihr habt ein Match!

Immerhin….wir waren im Spiel.

Als erste Kontaktaufnahme sendete er mir ein GIF….es erschein Carlton aus der Serie Der Prinz von Bel Air, der sich über irgendwas sichtlich offenherzig freute…mein Gegenüber wollte wohl bekunden, wie sehr er über das Match entzückt war.

Oh je…war er ein Freak?? Warum nicht einfach ein kurzes Hallo?

Aber ich sollte mich irren! Der Komiker war, wie es sich erahnen lässt, humorvoll, intelligent, wortgewandt und das alleine machte ihn schon interessant…man ist ja über jeden froh, der einen halbwegs gelungenen geraden Satz formulieren kann.

Frauen arbeiten ja gerne mit Synonymen. Wenn wir mit Freundinnen über Männer reden dann sprechen wir nicht über Christian/Tobias/Felix…wir sprechen wie beim Geheimdienst. Dann nennen wir sie London (weil er einen Reiseführer bei sich trug, als ich und meine Freundin ihm in der Stadt begegneten), Müllmann (weil Abfall-Trennung vehement abgelehnt wird) oder auch mal Captain Schwanz (spekulativ bis selbsterklärend)…man braucht ihn nur beim jeweiligen Codenamen zu nennen, schon weiß die andere Bescheid und zieht automatisch laut Luft durch die angespitzten Lippen ein…ein Pfeifen nach innen und die Augen aufmerksam weit geöffnet: man weiß, beide Agentinnen sprechen vom selben Mann.

Der Komiker war bei uns der Komiker weil er eben als Comedian umhertingelte…also im kleinen Stil…keinen großen Hallen, kein Promi-Status. All das schrieb er mir in unseren ersten Sätzen. als ich ihn auf eines seiner Profilbilder ansprach, das ihn auf einer Bühne zeigte. Ok, ich hab‘ nix gegen ulkig.

Er war die obligatorischen fünf Jahre älter als ich…lebte von seiner Frau schon länger getrennt und hatte zwei pubertierende Kinder.

Eine andere frage brennte mir am meisten unter den Nägeln: wo lebst du?

,,In Stuttgart!“

Treffer…versenkt!

,,Und wo da? Ich bin ein wenig ortskundig….“

Er nannte mir seine Straße…ich öffnete direkt Google Maps und sah mir das mal genauer an.

Ich erstarrte….Lukas und er wohnten nur einige hundert Meter Luftlinie voneinander entfernt in zwei aneinander grenzenden Stadtteilen.

What the f*** !!!!Wieviel Pech kann man haben???!!!

Er war mir allerdings schon zu sympathisch, als das ich den Kontakt mit ihm direkt wieder abbrechen wollte.

Und so musste ich mich der Frage stellen:

War ich bereit, in die Verbotene Stadt zurückzukehren?

Ehrlichkeit im Alltag oder: lohnt es sich wegen Knabber-Igeln zu lügen?

Ich möchte lediglich kurz von einer kurzen Begebenheit erzählen, der ich am Rand zugehört habe…hat mal nichts mit Männern zu tun…lediglich von den kleinen zwischenmenschlichen Dingen.

Ich saß gerade noch beim Italiener zum Essen auf dessen schöner Terrasse…das Kind (vollgestopft mit Gratis-Pizza, weil unter sechs Jahre) spielte in Sichtweite am dazugehörigen Spielplatz, so konnte ich in Ruhe und völliger Entspannung meinen Cappuccino trinken…und einem Dialog am Nebentisch lauschen.

Da saßen zwei Damen, beide geschätzt Ende 60…eingehüllt in funktioneller Outdoor-Kleidung in dezenten BeigeTönen…sie stuften den Ausflug in das etwas abseits gelegene Restaurant wohl als Wanderung ein. Ich bekam mit, dass sie sich wohl aufgrund einer längeren Reise seitens der Einen länger nicht sehen würden.

Die eine Dame kramte plötzlich in ihrer Handtasche und zog eine Tüte mit Knabber-Igeln (Alnatura) hervor. Es muss wohl eine Anspielung auf ein gemeinsames Erlebnis gewesen sein, denn beide gerieten in eine derartige Verzückung, die für Aussenstehende nur schwer nachzuvollziehen war. Irgendein gemeinsamer Magic-weisst-du-noch-Moment?….Vielleicht haben sie mal ein ganzes Igel-Rudel vor dem sicheren Verkehrstod bewahrt, sind im Kino wegen ungebührlichen Raschelns mit der Tüte angepöbelt worden…oder es ist irgendwas Sexuelles??…was noch schwerer zu rekonstruieren wäre…aber dieses Kichern? Das hat immer was mit Sex zu tun, oder?!

Doch dann: Ernüchterung!

Denn die Beschenkte meinte prompt:,,Die ess‘ ich gar nicht!“

Ich war ganz Ohr…einer solchen Ehrlichkeit begegnet man selten im Alltag. Jeder andere hätte sie doch einfach eingesteckt und weitergelächelt.

Man kann sich das Erstaunen der Geberin vorstellen…der totale Schock….ein Moment komplett Stille…ich in völliger Spannung gefesselt.

,,Kanne ich ihne noche was brin-ge??“…der italienische Kellner platzt hinein. Oh fuck…jetzt doch nicht!!!

,,Nein, danke…alles gut!!“ ich schaute einfach schräg an ihm vorbei. Voyeurismus!

Doch plötzlich ergriff die Beschenkte die Problemlösung. Sie schlug vor, die Tüte an den Gatten weiterzuschenken. Beide schienen sichtbar glücklich. Es wurde wieder gelacht. Der Tag war gerettet und ich irritiert.

Ich packte es nicht….Frauen in meiner Altersstufe kenne ich anders. Nicht so ehrlich. Ich hätte auch der Einfachheit halber Freude vorgetäuscht und gut ist…..aber warum? Weil es weniger Aufwand bedeutet? Weil niemand verletzt wird?…..Können Knabber-Igel verletzten…..?

Dirty Harry (Teil II)

Und dann war er da: der Tag an dem wir uns endlich treffen sollten….nach fast 5 Wochen  Telefonieren und Schreiben. Ein Dienstagabend und ich hatte Heimspiel. Wir einigten uns auf eine Sushi-Bar als Treffpunkt.

Es war bitterkalt an diesem Abend…mag auch daran gelegen haben dass ich ein knappes Lederkleid trug. Ich verzichtete auf den üblichen Spaziergang, um die Nerven etwas im Griff zu haben und nahm stattdessen die Tram Richtung Innenstadt. Die letzten 400m waren eine schier endlose Gerade und ich versuchte ihn aus der Ferne schon frühzeitig zu erkennen. Erst auf die letzten Meter sah ich ihn aus dem Dunklen heraustreten. Er war tatsächlich sehr groß mit seinen knapp zwei Metern…er trug einen dunklen grauen Mantel und schwere Boots…ansonsten gab es keine Überraschungen. Dadurch dass wir unzählige Fotos und auch Videos hin und her geschockt hatten, konnte sich jeder ein genaues Bild vom anderen machen. Er küsste mich auf die Wange…wir betraten das Restaurant und nahmen an der Bar Platz, wo Sushi-Portionen aller Art an uns vorbeifuhren. Irgendwann merkt man an den kleinen Dingen, dass man schon eine gewisse Erfahrung in punkto Dating hat…zum Beispiel wenn im Winter schon ein Taschentuch griffbereit in der Jackentasche parat liegt, weil einem beim Eintritt ins Warme spontan der Rotz aus der Nase läuft…und keiner will in solch einer peinlichen Situation panisch nach einem Tempo kruschteln. Mir geht es zumindest so.

Eigentlich verlief das Gespräch ganz gut und flüssig…aber er erinnerte mich in einer Sache ganz stark an den Pferdeflüsterer: er mäkelte an allem rum…dem Essen, dem Weißwein, der Atmosphäre…und damit hatte ich natürlich sofort den Eindruck, dass er sich nicht wohl fühlte. Leider fiel mir in diesem Moment auch ein, dass die beiden Männer im Sternzeichen Fische geboren waren und die Parallele gefiel mir so gar nicht. Ich kann es gar nicht haben wenn ein Mann direkt motzt und damit die Stimmung vergiftet. Ich hatte auch schon mal ein Date, da war der Kellner wirklich unterirdisch unbeholfen und nix wollte klappen…aber wir konnten das weglachen. Ich lasse mir doch ein Kennenlernen nicht davon ruinieren, dass die Alge nicht wirklich intensiv grün daherkommt und mir ist auch wurscht, was ihr zugestoßen sein könnte, um solch einen seltsamen Farbton anzunehmen. Hauptsache der Fisch ist frisch….denn sonst wird es wirklich unschön!

Irgendwann beschlossen wir nach einem für ihn mittelprächtigen Essen in eine Bar weiterzuziehen. Er bezahlte und wir liefen ein paar hundert Meter durch die Stadt. Ich liebe diese Bar…sie ist dunkel gehalten, aber modern. Wir nahmen an  der Wand auf einer langen Bank mit mehreren kleinen Tischen nebeneinander Platz und bestellten starke Cocktails.

Es verging einige Zeit mit Gesprächen und weiteren Gesprächen…irgendwann verlor ich das Gefühl endgültig, ob der Abend denn nun als gelungen oder merkwürdig einzustufen war. Mein Gegenüber sendete mir keine Signale, die mir hätten helfen können, das Ganze besser einzuschätzen. Als ich Luft nahm um einen neuen Satz zu starten legte er plötzlich seine Hand um meinen Nacken, zog mich nahe zu sich und gab mir einen heftigen Kuss. Ah ok….das kam nun wirklich unerwartet! Ganz kurz beschlich mich das Gefühl, er war mit dem Verlauf des Abends nicht ganz zufrieden und ging nun diesen Weg um auszuloten ob da doch noch irgendwas passieren würde. Manchmal ist ein Kuss in einem komischen Date die Flucht nach vorne.

Ich versuchte mir meine offensichtliche Überraschung nicht anmerken zu lassen und ich konterte, indem ich ihn nach kurzem Sammeln ebenso küsste.

Kurze Zeit später wurde gezahlt und wir machten uns auf den Weg…nur…was war das Ziel?

Irgendwann kam die alles entscheidende Kreuzung: die Straße rechts runter liegt meine Wohnung…verabschieden, rechts abbiegen…der Abend wäre vom Verlauf her völlig ok gewesen…(das weiß man dann später). Weiter geradeaus lag sein Hotel. Ich überlegte kurz…dann beschloss ich ihn noch ein Stück zu begleiten. Warum? Jeder weiß, dass ab hier ein Absprung kaum gelingen würde. Er hielt auf dem Weg kurz an und wir küssten uns leidenschaftlich…ich verlor mich in der Situation und begleitete ihn bis aufs Zimmer.

Warum rennt man manchmal ungebremst auf den Abgrund zu? Obwohl er ausgeschildert ist….

Ab da lief es gar nicht mehr gut…

Wir hatten uns an der Hotelbar noch eine Flasche Weißwein organisiert…tja…und dann öffnete sie sich: die Zimmertüre des typischen 4-Sterne-Business-Hotels.

Kaum hatten wir den den Gläsern genippt begann er erneut mit Zärtlichkeiten…und ab da lief es dann definitiv nicht mehr gut…weil nämlich gar nichts mehr klappte. Ich bin  ja manchmal echt froh eine Frau zu sein. Wir haben einfach nicht diesen Leistungsdruck im Bett…wenn wir mal nicht voll dabei sind oder es eben doch nicht so doll ist, klappt es trotzdem vom Ablauf her vollkommen reibungslos. Kennt vielleicht der ein oder andere: Wenn man nicht weiß ob man den Beischlaf nun als vollzogen betiteln darf? Beide bemühen sich redlich…doch der Kampf um eine nennenswerte Erektion geht letztlich verloren und man gibt frustriert auf. In einer guten Beziehung kann man damit umgehen…aber beim ersten Date echt schwierig…zerschneidende Stille auf beiden Seiten…man beschließt sich erst einmal für den erst der Nacht schlafend zu stellen…warum bin ich nicht gegangen? Noch in der Nacht? Schlafen konnte ich nicht…irgendwann wurde es durch die mäßig zugezogenen Vorhänge hell draußen und ich ging ins Bad um eine gefühlte Ewigkeit zu duschen. Als ich wieder in den Schlafbereich kam hatte er sich schon vollständig angezogen. Kein Zweifel: er hatte es äußerst eilig hier wegzukommen!

Ich setzte mich neben ihn während er sich die Boots schnürte. ,,Hör‘ mal…vielleicht sollten wir einfach einen zweiten Versuch starten…mal ein Wochenende wegfahren oder so…was hältst du davon?“ meinte er. Ich nickte und war sehr froh, dass er wohl doch nicht so auf der Flucht war wie es für mich den Anschein nahm. Dann fuhr er mich nach Hause…Harald…er küsste mich kurz zum Abschied auf die Wange…dann hatte er es wieder eilig wegzukommen. Hörte ich Reifen quietschen vorne an der Kreuzung??

Ich legte mich ins Bett…es war mittlerweile 9.00 Uhr morgens. Schlafen konnte ich trotzdem nicht. Alles fühlte sich beschissen an…alles hing in der Luft. Ich schrieb ihm irgendwann wie es ihm ginge. Vielleicht suchte er ja gerade auch irgendwie nach einem Einstieg um den ,,Kontakt danach“ wieder aufzunehmen….

Es kam eine lange Nachricht von ihm zurück. Ich habe sie nicht lange behalten und kann den Inhalt nur noch aus dem Gedächtnis zusammensammeln.

Ein Gestammel aus:,,Der Abend lief anders als geplant…so wollte ich das nicht…wollte dich aber auch nicht abweisen…du bist eine tolle Frau…sei ein bisschen mehr passiv…lass‘ dich mal erobern, dann kommt auch der Richtige…eher kein weiteres Treffen! Sorry! Schreib‘ einfach über mich wenn du dich ärgerst…das ist ok“…

WHAT THE F***! Jetzt war ich also schuld an Allem?! Er bekommt keinen hoch und nun schiebt er alles auf mich?!

,,Ok…du kannst lange Nachrichten schreiben, dann möchte ich final auch etwas ausführlicher texten…ich habe mich noch nie so mies und billig gefühlt. Dazu die befremdliche Gewissheit dass es keine zweite Chance auf einen zweiten Eindruck gibt…und jetzt habe ich erstmals den allerdümmsten Fehler gemacht: nämlich mit einem Mann direkt ins Bett zu gehen…dazu auch noch peinlich enthemmt durch zu viel Alkohol. Ich habe mich küssen und ausziehen lassen…aus einem naiven Grund: weil ich tatsächlich dachte du willst mir nahe sein. Ich hatte auch eine andere Vorstellung vom Verlauf dieses Abends. OK, wir hatten schon lange guten Kontakt und da war schon eine gewisse Vertrautheit…vielleicht hätte ich beim ersten Treffen auf einen Kuss gehofft…mehr aber auch nicht. Der eigentlich harte Schlag ist aber, dass du meine Zärtlichkeiten nur angenommen hast um mich nicht zu enttäuschen. Und dann erzählst du mir, dass etwas merkwürdig verlaufende Date an einem weiteren Wochenende vergessen machen zu wollen, obwohl da für dich schon feststand, mich nicht wieder treffen zu wollen. ICH hätte den Abend tatsächlich abhaken und wiederholen können….und passiv? Ja, ich bin sonst passiv! Ich muss mir meist anhören, ich sei sogar äußerst reserviert.

Ich wäre einfach gerne rechts abgebogen…aber das ist jetzt auch egal…vergiss mich einfach! Ich will auch keine weitere Reaktion von dir erzwingen…nur habe ich lediglich den Wunsch, meine verkorkste Selbstachtung wieder etwas aufzurichten um mich besser zu fühlen. Glaub‘ bloß nicht, dass du es mit einer verzweifelten Frau zu tun hattest…..“

Keine weitere Reaktion.

….ich weiß bis heute nicht, ob es schlichtweg männliche Scham war, so mit dieser Sache umzugehen…Schuld abwälzen, alles herunterspielen…Haken setzen!

Ich hatte den Haken schnell gesetzt…und auch eine Lektion erteilt bekommen.

Nach dem Mann ist vor dem Mann…Dirty Harry (Teil I)

Ich wollte mit dem Kapitel Stuttgart recht bald abschliessen…immerhin tat er es umgekehrt wohl genauso. Keine Nachricht mehr. Kein Bereuen, keine Bitte um eine neue Chance…er war wohl ganz bei der neuen Frau angekommen, die ich ja so unglaublich schön und begehrenswert vor mir sah. Wenn ich die Erinnerungen an einen Mann vergessen machen möchte (besonders an seine Augen ganz dicht vor mir) ist es für mich am besten, schnellstmöglich in das hoffnungsvolle Gesicht eines neuen Anwärters zu blicken.

Ich war also wieder online auf der Suche…ich tat es leidenschaftslos. Und wenn man nicht positiv an solche Dinge rangeht, dann kommt dabei auch selten etwas Brauchbares heraus. Da ich zwar keine Akademikerin aber definitiv ein Single mit Niveau bin, versuchte ich es einmalig bei Elite Partner. Also ich fühlte mich da jetzt nicht so gut aufgehoben. Hauptsächlich tummeln sich dort Sugar Daddys, die nach einer langen Ehe etwas deutlich jüngeres suchen…oder Spießer. Eher attraktive Lebensläufe als hübsche Gesichter..natürlich alles unkenntlich before Freischaltung…aber Halbglatzen und stillose Anzüge erkenne ich trotzdem. Hin und wieder gab es also Anfragen von diversen CEO’s, Coaches, IT-Größen, einem Kieferchirurgen und sogar einem evangelischen Pfarrer. Keiner machte auf Anhieb einen aufregenden Eindruck.

Als ich in den letzten Zügen meines Probe-Abo’s war schrieb mich unverhofft Dirty Harry an. Er präsentierte sich auf seinem Profil als Überflieger in sämtlichen Bereichen: sportlich und durchtrainiert…im Rennanzug in der Boxengasse (im Hintergrund malerisch schön ein Porsche in Position gebracht), dann mit Sonnenbrille und vollem Outfit im Urlaub…immer den Blick Richtung Erfolg gerichtet. Der Rest lies sich ebenfalls traumhaft: 1,96m groß, NR, zwei Kinder, getrennt lebend, Sport, Reisen, Leben geniessen.

Es war kurz vor Weihnachten….vielleicht hatte sich das Jahr das Beste bis zum Schluss aufgehoben? Der Porsche reichte mir als kosmischen Hinweis auf einen verheißungsvollen Kandidaten. Er trug einen kurzgehaltenen Bart mit hohem Grauanteil und die etwas längeren, leicht gewellten Haare glatt nach hinten gegelt…gut, da stehe ich jetzt spontan nicht so drauf. Meine Haare sind kurz und die des Mannes sollten nach meinem Geschmack nicht länger sein. Aber hey: Porsche! Man muss ja nicht jedem Mann gerne durch die Haare fahren…obwohl ich das bei Lukas/Stuttgart sehr gerne tat. Verdammt….er ist immer noch präsent….ich schrieb dem Mann mit den angeklatschten Haaren zurück.

Wir schrieben und schon nach wenigen tagen führten wir unser erstes Telefonat.

Ein Treffen war durch Weihnachten und alle möglichem anderen Kram erst einmal nicht drin, aber ließ mich über WhatsApp an seinem Leben teilhaben….und das war beachtlich: Bilder von zwei Luxus-Autos, aneinander gekuschelt in der eigenen Tiefgarage, dem Pool (yeah, aufblasbares Einhorn…endlich!!), den hübschen Kindern. Und er plante mit mir schon für nächsten Sommer…inklusive Urlaub auf den Malediven. Aha!? Was war das jetzt? Ich hätte mir nach den Enttäuschungen dieses Jahres wirklich einen 5-Sterne-Urlaub verdient (einen Stern pro Reinfall) gehabt…aber noch vor dem ersten Treffen die Zukunft bunt auszumalen ist was für totale Anfänger…am besten gar nicht darauf eingehen…Badesachen kann man ja trotzdem mal bereithalten!

In der romantischen Weihnachtszeit vertiefte sich der Kontakt noch einmal und irgendwie fühlte man sich schon eng verbunden…was leider automatisch gerne passiert, wenn man sich noch nicht getroffen hat. Zwei Wochen später sollte es nun endlich soweit sein: er schlug ein Abendessen vor…und fragte mich nach einem erstklassigen Hotel, in dem er einchecken könnte. Er wohnte 80km von mir entfernt. Den Heimweg wollte er an diesem Abend nicht mehr antreten, da wir sicher was trinken würden. Da ich ihm natürlich nicht direkt eine Übernachtung bei mir anbieten wollte, war ich ganz froh und sah da keinen Hintergedanken…obwohl mein Bauchgefühl mir heftig mitteilte, dass er nicht allein ins Hotel gehen würde. Was ich daran festmachte, dass ich enttäuscht war, als er mir mitteilte, dass seine Sekretärin weder das erst-noch das zweitbeste Hotel der Stadt buchen konnte…lediglich was total unspektakuläres war noch zu haben…..

Fortsetzung folgt….

Rauswurf aus der Verbotenen Stadt (Teil VII)

Kaum zurück vom Zahnarzt waren sie da…die bohrenden Fragen…

Warum schmeisst er mich einfach weg? Er hat diese Frau doch angeblich erst kennengelernt und nun ist er sich schon sicher, dass er mich getrost gegen sie eintauschen kann. Wie sieht sie wohl aus? Sie muss umwerfend sein…er lässt mich einfach gehen. Ich würde keine Spuren hinterlassen…weder in seinen Erinnerungen, noch anhand einer plötzlich fehlenden Zahnbürste in seinem Badezimmer. Keine Wäsche, kein vergessenes Shirt in einer Ecke, keinen Cremetiegel…ich war quasi nie da gewesen, hatte nichts zurückgelassen…wie ein Geist. Selbst mein Kissen hatte ich immer selbst mitgebracht und nie dagelassen…immer mit mir rumgetragen…wie ein kleines Mädchen, dass nie ohne Schnuffeltuch unterwegs sein kann.

Lange hatte ich überlegt ob und was ich ihm auf seine Nachricht antworten sollte. Sollte ich ihn anblaffen? Ihm Vorwürfe machen? Mich einfach still zurückziehen, um nicht den Verlierer raushängen zu lassen….?

,,er war ehrlich zu dir…aber fuck…hat er denn gleich vor die zu heiraten??“ sagte mir meine Freundin.

Ja, er war ehrlich. Ich glaube ihm sogar, dass er sie nicht bereits länger gedatet hat. Ich konnte ihm eigentlich nicht knallhart etwas vorwerfen…juristisch gesprochen hatte ich quasi nix gegen ihn in der Hand. Er hatte mir nie wirklich eine Beziehung in Aussicht gestellt…nur ein ,vielleicht‘ oder ,wir könnten eventuell mal einen Urlaub in Erwägung ziehen‘. Es war also kein Betrug…nur ein ,ich hab‘ einfach was Interessanteres gefunden‘. Hart, aber nicht moralisch verwerflich.

Ich könnte ihn beleidigen oder einen Feigling nennen…verbal um mich schlagen: es wäre nur ein würdeloses Unterfangen ohne eine Aussicht auf Erfolg. Bewahre dir dein letztes bisschen Selbstrespekt und schreibe ihn nicht an…Lösche alles was du hast und vernichte seine Nummer, um nicht in Versuchung zu kommen. Nie wieder!!!! Erwecke dein Tinder-Profil zu neuem Leben, stelle neue Fotos rein und bring dich nach aussen auf den neuesten Stand. Irgendwo gibt es den Mann, der dich voll und ganz haben will…und der dich auch nach dem Sex mal in den Arm nimmt…einen der alles von dir will. Hoffentlich ist der dann auch so großartig im Bett…ich verbot mir diesen Gedankengang. Ach, es ist schon scheisse, wenn die Messlatte so hoch gelegt wurde. Jetzt würden immer diese Vergleiche angestellt werden. Wie oberflächlich kann ich nur sein???!!!

Sich wieder online stellen, das Kind drücken, unter Leute gehen…alles geben um ihn zu vergessen….

Es ist kein leichtes Unterfangen. Das Autobahn-Schild Richtung Stuttgart jeden morgen, ähnliche Autokennzeichen (ist er dass?????), man sieht ihn plötzlich überall…in der eigenen Stadt…mit dieser tollen Frau: beim Einkaufen, als Kunden im Laden, an der Tankstelle und in meiner Lieblingsbar. Er würde sie zeitnah seinen Freunden, seiner Familie, den Kindern vorstellen…ihr sein Leben öffnen…alles was für mich verschlossen blieb.

Ob er sich vielleicht doch noch mal meldet und seinen großen Fehler bereut?……

Rückkehr in die Verbotene Stadt (Teil VI)

Der einwöchige Italien-Urlaub kam mir sehr gelegen um wortwörtlich etwas Abstand zwischen mich und Lukas/Stuttgart zu bringen…erleichtert wurde das ganze durch den krassen Gegensatz zum heimischen Alltag: die malerische Landschaft der Toskana, unglaubliches Essen, die Konfrontation mit einer Sprache, der man nicht mächtig ist…genug Ablenkung um nicht an die Nacht mit ihm zu denken…dazu kam der Mangel an W-LAN wenn man den ganzen Tag durch norditalienische Altstädte streift. Man konnte es also gleich vergessen, sich ständig auf dem Handy zu vergewissern dass er NICHT schrieb.

Die Tage vergingen wie im Flug und kaum zu Hause angekommen warteten neben halb verdursteten Balkon-Pflanzen (ich wollte einfach nicht den Schlüssel an die Nachbarin abgeben…das forderte nun Opfer) auch die gleichen Fragen wie vor der Reise auf mich:

WANN MELDEST DU DICH? SEHEN WIR UNS WIEDER? ENTWICKELT SICH DAS VIELLEICHT DOCH NOCH?

Er meldete sich…doch war es wohl nicht er selbst der mich vermisste…eher sein Schwanz. Aber das reichte mir für den Anfang. Er bot mir an, dieses Mal nach Karlsruhe zu kommen. Würden wir nun auch ein wirkliches zweites Date (nach dem Frühstück) haben oder nur den zweiten Sex?

Der Gedankenaustausch via WhatsApp die Tage davor gab ganz klar die Richtung vor: schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen (die letzte Nacht zusammen) und freudige Erwartung dessen was nun kommen sollte (auch wieder ausschliesslich Sex)…er konnte so phantasievoll sein wenn er darüber schrieb, wie er es mir besorgen wollte…aber sonst bekam er kaum mehr als einen Satz geschrieben.

Das Wetter an dem Juli-Abend war warm und einfach zu schade um ihn ihm Bett zu verbringen. Ich musste ihn tatsächlich überreden zu einem Essen in die Stadt zu fahren. ,,Nun gut, aber nur was Kleines und wir laufen auch nicht, denn das kostet ja sonst noch mehr Zeit…denn ich hab ja noch was mit dir vor“. Ich glaubte kaum was ich da hörte. Aber ich ließ mich nur kurz irritieren und beschloss meinen Plan durchzuziehen: ich WOLLTE einen schönen Abend im Freien verbringen…am besten einen kleinen Schwipps, bedingt durch den ein oder anderen Cocktail.

Der Rest ist kurz erzählt…ein wirklich kleines Essen…er wurde wohl auch schon ein wenig ungeduldig als ich mir in aller Ruhe einen zweiten Cosmo bestellte, während er eigentlich schon zahlen wollte. Zwing ich dich eben zu dem Date, auf das ich so lange warten musste…pfffft!

Danach zu mir…auch beim zweiten Mal lieferte er sehr gut ab, was aber auch damit zusammenhing, dass ich deutlich lockerer und somit enthemmter war…an Schlaf war auch bei meinem Heimspiel wieder nicht zu denken. Wenn ich nicht weiß woran ich bin, dann komme ich einfach nicht zur Ruhe. Morgens gab es ein liebevoll hergerichtetes Frühstück…mit frisch gepresstem O-Saft…damit huldige ich nur den besten Liebhabern. Danach verabschiedete er sich direkt und -plopp- war er wieder raus aus meinem Leben.

Wieder vergingen Wochen in denen wir uns nicht sahen…und wenn wir schrieben ging es nur um Sex. Es machte zugegeben schon Spass sich mit heißen Texten auszutauschen…wir waren da auch wirklich kreativ. Irgendwann bat er mich um ein selbst gemachtes Video: ,,Ich möchte sehen wie du es dir machst!“. Bitte what??

Das hatte ich bisher noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen…natürlich haben mich schon andere Männer freundlich um solch ein Film-Material gebeten. Aber erstens war ich nie locker genug um das mal anzugehen und zweitens hatte ich immer die Befürchtung, dass sich solch eine Doku mal nach einer unschönen Trennung im Netz verselbstständigen könnte…und daher habe ich immer höflich verneint.

Aber er ließ nicht locker…und irgendwie wollte ich mich ihm ja so offen wie möglich präsentieren.

Es war EM-Zeit und ich hatte zum Deutschland-Spiel die Bude voll mit Freunden. Wenn man als Mum schlecht abends raus kann, kommen die Freunde eben zu einem…und dann wird im Sommer der Grill angeworfen. Ich esse bei gutem Wetter irgendwie alles gegrillt von der eigenen Loggia. Während des Spiels meldete er sich und hakte nach…er würde sich ja sooo freuen, wenn mal was käme. Ich war durch ein paar Bier in prächtiger Stimmung und war auch irgendwie in sexueller GeberLaune. Ja mal schauen und so…vielleicht wenn hier alle raus wären…jetzt war ich entschlossen. Leider geht niemand wenn man sie raus haben will…auch lange nach Abpfiff.

Doch ich war irgendwann tatsächlich allein mit mir.

Man sollte es wirklich einmal tun. Kann ich jedem nur empfehlen! Mal auf diese Weise über seinen Schatten springen. Ist gut für das eigene sexuelle Ego…und der Mann freut sich wie über den Gewinn der EM, wenn er ein 7-minütiges Video bekommt, in dem sich die Frau sexy hergerichtet selbst verwöhnt…macht das mal und schickt es eurem Freund/Schwarm…das macht die echt verrückt.

Es pendelte sich ein, dass wir uns so alle sechs Wochen zum Sex trafen…es waren schöne Abende. Er meinte auch, wenn die Entfernung nicht wäre, er könne sich mehr vorstellen.  Sogar einen gemeinsamen Urlaub schlug er vor. Ich wollte ihm glauben….ich war verliebt.

Wenige Wochen später…es war ein Mittwoch Morgen im November, saß ich beim Frühstück, als das WhatsApp-Klöckchen schellte…mich ereilte ein seltsames Bauchgefühl: ich fühlte dass er es war…aber morgens? Irgendwas war daran seltsam.

,,Karla,ich will ehrlich mit dir sein. Ich habe am Wochenende beim Ausgehen eine Frau getroffen. Sie ist auch aus Stuttgart. Ich möchte sie näher kennenlernen. Es tut mir leid, ich werde mich daher in nächster Zeit nicht bei dir melden. Hoffentlich möchtest du trotzdem mit mir in Kontakt bleiben…es würde mich freuen.“

Ich setzte mich wieder. Vielleicht hätte jemand an meiner Stelle geweint oder geflucht. Ich löschte einfach nur den gesamten Nachrichten-Verlauf und blieb ruhig sitzen. War das der Schock?

Ich nahm meine Schlüssel und ging zur Haustür hinaus…Zahnarzt-Termin. Hoffentlich muss er mich betäuben und bohren…dann könnte ich einen anderen Schmerz spüren, es wäre kein Platz für einen weiteren aus dem Herzen…und der Bohrer wäre zu laut, um meine eigenen Gedanken zu hören…….