Online-Dating…Einleitung

Online-Dating—Spass oder notweniges Übel?

Eines muss ich gleich mal klarstellen: gäbe es nicht die Möglichkeit im Internet Männer kennenzulernen, ich hätte die letzten zwei Jahre in karger Einsamkeit verbracht. Hätte mich um einige kostbare Erfahrungen in punkto Menschenkenntnis gebracht. Meinen Horizont nicht erweitert. Wertvolle Erkenntnisse nicht zu Tage gefördert. Mein Herz nicht schneller schlagen gespürt, viel weniger Sport getrieben und noch weniger Sex gehabt.

Allerdings hätte oftmals meine Zeit kostbarer verwenden können. Hätte mich weniger über meine eigene Naivität geärgert. Weniger den Falschen hinterher getrauert. Weniger Spesen versemmelt. Weniger Tränen der Wut und der Trauer vergossen. Weniger an mir selbst als Frau gezweifelt und deutlich weniger Alkohol getrunken.

Nie war ich die Art von Frau die einfach mal so Männer aufreißt. Auch kann ich mich nicht wirklich erinnern von einem Typen locker mal angequatscht worden zu sein. Was wohl daran liegt dass ich meist ziemlich grimmig schaue wenn sich meine Gesichtsmuskulatur entspannt. ,,Schau doch net so bös‘!“ Den Satz höre ich öfter von Freunden und Kollegen wenn ich ins Leere schaue und einfach mal an gar nichts denke außer ans Atmen. Und so wird man eben nicht angesprochen. Wenn die Ausstrahlung ,,verpiss dich“ signalisiert.

Da ist es mit dem Internet schon lässiger. Der erste Eindruck ist immer positiv. Alle stellen ihr schönstes Sonntags-Selfie ins Netz. Obwohl es auch oft genug verstörende Bilder gibt, aber das soll mal ein eigenes Kapitel hier erhalten.

Ingesamt bin oder war ich auf vier Dating-Seiten, wobei ich sagen muss einen klaren Favoriten würde ich nie empfehlen, aber man sollte Verschiedene ausprobieren (nur nicht alle auf einmal). Für mich ist alles mit unscharfen Bildern generell nix. Es geht mir um einen Gesamteindruck und da gehören Bilder nun mal dazu. Er muss nicht auf Anhieb der Schönste sein aber Ausstrahlung muss er nun mal mitbringen. Auch im Alltag können wir nicht in die Seele des Gegenüber hineinblicken…wir schauen einfach was der Gegenüber in uns auslöst…und da gehört Optik dazu, Natürlich ist es gut gemeint sich nicht von Äusserlichkeiten verführen zu lassen, aber manche Frau baut sich ja trotzdem ein Bild von dem Mann auf mit dem sie schon einige Tage chattet und ich denke die wenigsten haben ihre Erwartungen derart heruntergefahren dass sie beim Freischalten der Bilder einen euphorischen Luftsprung macht. Das machen nur Frauen die jahrelange Erfahrung in dem Bereich haben und dementsprechend abgestumpft sind…der Rest hofft auf einen jüngeren Brad Pitt und muss dann einen Hobbit abwehren der sich seinerseits Hoffnungen gemacht hat und mit seinem ,,Fang“ sehr zufrieden ist. Ausserdem ist es für niemanden schön nach dem Freischalten der Bilder nie wieder was vom anderen zu hören. Das gesündeste Ego steckt das nicht gut weg.

Als ich von Tinder noch nix wusste hab ich mich bei FriendScout (heute heißt es anders, damals klang es noch unverbindlicher) angemeldet. Ein Jahr zuvor war ich mal kurz (also für die Zeit eines kurzmöglichen Abo’s) bei Parship, aber das lief auf genau ein Date raus. Der Mann war eigentlich nicht so auf Anhieb mein Fall, aber ich war zwei Jahre lang im Vorfeld quasi keusch gewesen und meine Wahrnehmung ließ es nicht zu dass mir der Mann mit dem ich drei Monate (viel zu lange!) getextet hatte, mir nicht gefiel (verschwommene Bilder!). Vielleicht widme ich diesem Mann später hier noch mal mehr Aufmerksamkeit (ein Beispiel dafür dass auch Männer Torschlusspanik haben können).

Mit den scharfen Bildern auf FriendScout begann der interessante Teil der Datings.

Hier traf ich mich insgesamt mit drei Männern. Andere Kontakte erledigten sich vorzeitig. Aber diese Drei beschäftigten mich nachhaltig auf verschiedene Weise und der Eine sollte tatsächlich eine größere Rolle spielen……

Das Wichtigste auch wenn es schwer fällt: Erwartungshaltung runterschrauben!

Keine Sorge. Niemand schafft das auf Anhieb. Man erlernt es. Andere würden sagen man stumpft ab, aber das möchte ich nicht bestätigen. Man lernt und erfährt worauf es ankommt und auf was man weniger Zeit und Energie verschwenden könnte. Denn eines sollte man wissen: unterschiedlich Männer kennenzulernen, sich verschiedene Lebensläufe einzuprägen, seinen eigenen ständig aufzusagen, enttäuscht zu werden weil der Kontakt seitens des Anderen plötzlich einfach abbricht, Sex mit unterschiedlichen Männern zu haben, sich immer mal wieder  Hoffnungen zu machen, Gefühle zu entwickeln, Absagen zu erteilen und selbst abserviert zu werden…das alles macht was mit einem!

Eigentlich muss man immer nur den Verstand eingeschaltet lassen, das ist der beste Selbstschutz. Wer meint die große Liebe zu finden, obwohl der Typ für’s erste Date seine eigenen vier Wände vorschlägt weil es einfach eine entspanntere Atmosphäre sei, der muss sich nicht wundern wenn er nach einer Nacht lieblosen Geschlechtsverkehrs ohne Frühstück und weiterem Kontakt vor die Türe gesetzt wird. Das Bauchgefühl sagt einem eigentlich immer das Richtige, nur hören wir nicht so gerne zu, weil wir uns lieber einreden auch mal was riskieren zu müssen. Was völliger Quatsch ist….Es gibt gewisse Grundregeln, die ändern sich auch nicht. Männer die nur Sex wollen (und die gibt es nun mal zu Auf im Netz, auch wenn sie angeblich die große Liebe suchen) werden ihren Jagdtrieb für eine Frau nicht plötzlich einstellen (auch wen sie fest davon ausgeht–ein häufiger Irrtum). Ein Mann mit echtem Interesse zerrt einen nicht gleich ins Bett (aber den gilt es vom Rest der Herde zu sondieren). Aber auch ich habe mal mit Schrecken festgestellt wie schnell ich im Laufe der Zeit zur Sache kommen wollte und einem Mann damit total erschreckt habe…einfach weil ich es auch von den Männern so gewohnt war…wie gesagt: das Alles macht was mit einem und man entdeckt auch neue Seiten an sich selbst. Es gibt zudem Höhen und Tiefen in der Selbstbewusstseins-Kurve in der Zeit des Online-Kontakts. Mittlerweile habe ich mein Selbstvertrauen aber sogar gestärkt. Zu den ersten Dates musste ich noch Bach-Blüten zur Beruhigung einnehmen und irgendwann ging ich zu den Treffpunkten mit der gleichen nüchternen Erwartungshaltung und Euphorie mit der man einen Zahnarzt-Besuch antritt. Selbst im Alltag habe ich mich entwickelt. Neulich hatte ich ein Casting, es wurden Fotos gemacht und man staunte wie souverän und scheinbar professionell ich es durchzog. Wenn du eine gewisse Anzahl an schönen und heftigen Erlebnissen mit Männern gut überstanden hast, dann härtet dich das wohl ab und man geht gestärkt hervor.

Wer ein paar Regeln beherzigt der kann wirklich viel Spass haben.

Immerhin ist es eine Möglichkeit neue Menschen in einem selbstgewählten Radius kennenzulernen. Tolle Männer als potentiellen Partner treffen oder neue Kumpels gewinnen…mit einem Typen hatte ich mal nur Kontakt weil ich ihm alle Aufreißer-Tricks entlockte, bzw. Online-Dating aus der Perspektive der Herren und ihre Motivation dabei zu sein. Sex mit speziell diesem Mann, der über alles bereitwillig Auskunft gab, hatte ich nie. Auch wenn er öfters danach fragte und mir wohl auch deshalb erzählte dass er eine Frau maximal dreimal vögelt und die Masche tatsächlich funktioniert dass man mit den Frauen schon einmal Kindernamen bei dem ersten Treffen aussucht. Ich hielt ihn hin und es machte Spass ihn zappeln zu lassen. Einen Mann der sich für unwiderstehlich hält auch mal abgeblitzt im Regen stehen zu lassen soll eine kleine Rache sein für all die Frauen, denen er Märchen erzählt und denen er falsche Hoffnungen gemacht hat.

Es gab wirklich tolle Dates….und wer entspannt mit dem Thema umgeht, nicht direkt verzweifelt wenn er sich mal nicht meldet, in alle Richtungen schaut und sich nicht versteift….offen ist, aber nicht alles von sich Preis gibt…den bringt es wirklich irgendwo hin: zu einem neuen Partner oder zumindest mal zu sich selbst, wenn man dort noch nie war.

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2 Gedanken zu „Online-Dating…Einleitung“

  1. Eine sehr schöne Sicht auf das Online-Dating und gerade deine Perspektive gefällt mir, dass es eben nicht nur um das Gegenüber und potenzielle Partner geht, sondern auch darum, was das alles mit einem Selbst macht. Sehr anschaulich in Worte gefasst!

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