Mutter bin ich auch….

Ich liebe es auf Spielplätzen abzuhängen. Auch weil mein Kind dort Spaß hat. Spielplätze bieten für Erwachsene nämlich ebenfalls einen enormen Unterhaltungsrahmen…wenn man sich nur etwa genauer umsieht. Es gibt nichts Spannenderes als andere Eltern. Vor allem wenn man wie ich in der Karlsruher Südweststadt lebt. Ein Paradies für junge Eltern, die wohl auf Stil und Status, aber weniger auf Wollplüsch-Pullover und Original-60er-Jahre-Brillengestelle vom Flohmarkt verzichten können. Frauen die gerne 3/4 –Leggins in braun unter ihren zwei Tönen helleren Bio-Baumwoll-Röcken tragen und meinen sie seien mal modisch total außer Rand und Band wenn sie mal was von Desigual tragen (ich weiß nicht mal ob diese Marke ökologisch ganz koscher ist. Wahrscheinlich werden sie nach solch einem Kauf zuhause von ihren Männern erst mal zurechtgestutzt). Es ist so herrlich alternativ um mich herum. Kindernamen aus Großmutters Zeiten werden melodisch über das Gelände gerufen, Selbstgebackenes aus Dinkel ohne jeglichen Einfluss eines Tieres wird herumgereicht und man gibt sich Tipps wie man aus Sperrholz und Europaletten ganze Schrankwände in Eigenarbeit zimmern kann. Ich halte nichts von veganer Ernährung, habe kein Problem damit ein Huhn auszubeuten, allerdings sollte es in so angenehmer Umgebung leben dürfen das es davon quasi gar nix mitbekommt. Dafür zahle ich im Bio-Markt auch gerne ein paar Cent extra.

Wirklich eintauchen möchte in diese Welt natürlich nicht. Das zeige ich auch. Allein das sandeln mit einem Totenkopf-Förmchen provoziert so manchen entsetzten Gesichtsausdruck, so als hätte man im angrenzenden Park vor aller Augen nicht hinter seinem Hund hergeräumt. Wenn ich also unangenehm auffallen möchte setze ich mich in die Buddelkiste…platziere ein Dutzend Totenkopf-Fratzen nebeneinander in den Sand…freue mich über jedes angedeutete Kopfschütteln…zeitgleich über ein Match mit einem heißen Typen bei Tinder….und fühle mich wie eine Rebellin.

Ja ich bin raus…und war wohl auch nie ansatzweise dabei. Gerade heute lese ich einen Aushang an der Kinderrutsche dass Eltern weitere Anhänger für das Formen einer Krabbelgruppe gesucht werden. Das Spiel der Kinder untereinander schien aber nicht im zentralen Mittelpunkt zu stehen stellte ich erheitert fest. Vielmehr sollte es wohl um den Austausch der Eltern gehen. Themen u.a. Windelfrei aufwachsen. Nun gut…der Sache hab ich nie ernsthaft eine Chance geben wollen. Ich beäuge doch nicht den ganzen Tag meinen Säugling und registriere seine Signale, ob er gleich pullern muss!?

Weiteres Thema ist Attachment Parenting…???…ich überzeugte mein Kind zu einer verfrühten Heimkehr und musste erst mal googeln was das genau beinhaltet. Kurz gesagt bindet man sich wohl sein Kind bis zur Übergabe an die Grundschullehrerin vor die Brust und legt es auch nachts konsequent mit ins Bett…Jeder der das schon pränatal fest einplant dem wünsche ich ein Kind wie das meine. Der hat selig geschlafen bis man sich zu ihm ins große Bett gelegt hat. Dann gab er für den Rest der Nacht grunzende Geräusche von sich. Das ging die ersten acht Wochen lang. Aufgeben wollte ich nicht, immerhin hatte auch die Hebamme das Schlafen im elterlichen Bett empfohlen. Irgendwann sehnte ich mich selbst mal wieder nach etwas erholsamem Schlaf und legte ihn aus purem Egoismus erstmals in sein eigenes Zimmer. Dort schlief er glatt acht Stunden ohne einen Pieps durch. Manchmal pfeifen auch Kinder auf ihre Eltern und wollen einfach nur in Ruhe pennen. So hatte er alle Ansätze eines alternativen Erziehungsstiles bei mir im Keim erstickt….

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