Die Verbotene Stadt…Teil I

Seit Monaten fühle ich mich irgendwie als Spielball im Dating-Flipper. Männer abzuservieren die als ungeeignet erscheinen ist ein Leichtes. Das erledige ich mit einer abgebrühten kaltherzigen Entschlossenheit, die mich manchmal selbst etwas frösteln lässt. Aber wird man vielleicht sogar dazu gemacht? Langsam fürchtete ich schon nur Heidi Klum hätte noch mehr Pech in der Auswahl ihrer Männer als ich.

Ich werde hingehalten bei meinen Bekanntschaften, vertröstet und als besonders schlimm empfinde ich kurzfristige Absagen für Verabredungen auf die man sich aufrichtig gefreut und daher auch vorbereitet hat.

Mit Lukas von Friendscout war ich auch endlich mal verabredet. Das war echt langsam angelaufen. Über Wochen wenig Nachrichten…letztendlich versiegte die Konversation immer wieder weil er nicht antwortete…und wohl bessere Kandidatinnen castete. So ist es eben in dieser Online-Welt: kommt was Besseres ist man schnell abgeschrieben…der andere kann sich wortlos davonschleichen. Wenn man nicht sofort einschlägt beim Mann oder der Frau ist man schnell vergessen und ad acta gelegt. Also hatte ich um die Osterzeit ein Frühstücksdate mit Lukas aus Stuttgart. Karlsruher und Stuttgarter können sich aus historischen Gründen eigentlich generell nichts abgewinnen…schon der schwäbische Dialekt gleicht einem Schuss in die Kniescheibe. Eigentlich will man nichts miteinander zu tun haben…aber wenn die Männer in der eigenen Stadt knapp zu werden scheinen kann man sich den Stil nicht leisten…und so muss man eben auch mal über seinen Schatten springen und mit dem Feind ins Bett gehen. Wer meint, nur Kölner und Düsseldorfer seien sich Spinne-feind, der muss mal in den Süden gehen. Wenn der KSC gegen den VfB spielt, bepöbelt sich vom Kindergarten-Kind bis zum Opa alles, was sich unter anderer Flagge im Stadion begegnet…ich hab schon Fahrräder fliegen sehen.

Es war der erste warme Frühlingstag und zum ersten Mal konnte man ohne Jacke nach draußen. Wir waren in einem schönen Café, das in einen wundervollen Garten lag verabredet. Es war wenig los als ich eintrat und so konnte ich ihn schnell erkennen…den Mann mit den dunklen, leicht verwuschelten Haaren…Pony leicht nach oben gestylt. 1,87m groß…das bestätigte er als er mich sah und aufstand. Er trug ein kariertes, etwas knappes Holzfäller-Hemd, das ihm in Verbindung mit den Haaren etwas Naturburschiges verlieh…dazu eher fade Sneakers….passend ein Drei-Tage-Bart und schöne dunkelbraune Augen. Er wirkte aus der Ferne nicht modern gestylt…aber auf den zweiten näheren Blick war er wirklich attraktiv…und er wirkte trotz ein paar (sexy) grauen Haaren eher wie 37 als 42. Da es durch die Sonne erstmalig die Chance gab dieses Jahr draußen zu sitzen schlug ich vor, seinen Sitzplatz drinnen gegen einen gemeinsamen Tisch draußen auf der Terrasse zu tauschen. Den ersten Kaffee des Jahres unter freiem Himmel mit einem hübschen Mann zu genießen…das wollte ich jetzt unbedingt…nach einem kalten einsamen Winter…daher ließ ich mich von seinem Zögern nicht verunsichern und ging schon mal den besten Platz an der Sonne suchen. Wir bestellten Frühstück und begannen die Basics eines ersten Gespräches: Familienstand…Anzahl der Kinder…Hobbys…Erfahrungen und Erwartungen im Online-Dating…(mehrere Männer haben mir z.B. schon berichtet, dass Frauen viel öfter mogeln…mit einem falschen Alter oder sogar mit falschen Bildern…dann darf man sich aber dann auch nicht wundern wenn die Partnersuche eher schleppend verläuft).

Es war das erste gute Date seit langem. Lukas hatte eine angenehm ruhige Art und es ergab sich eine flüssige Unterhaltung…ohne diese verhassten Moment der ungewollten Stille. Das einzig Erschreckende an diesem Vormittag war die Erkenntnis dass Winterhaut, die erstmals wieder unter leichter Kleidung in Frühlingssonne herausblitzt erschreckend blass aussieht.

Danach ging es leider zäh weiter. Ich war ungewohnt euphorisch nach dem ersten Date und zuversichtlich dass der Kontakt ausgebaut werden würde. Man wollte sich zwei Wochen später treffen, da verletzte er sich an der Schulter und zog sich zurück mit dem Versprechen sich bald zu melden. Zu der Verletzung gesellte sich das Übliche: viel zu tun, viel Stress, Kinder-Wochenenden etc.

Nach vier Wochen Warten ohne eine Nachricht von ihm beschloss ich mich auf ein neues Date mit einem verheißungsvollen Kandidaten einzulassen. Wir hatten eine Woche toll geschrieben und er rief mich sogar an…telefonieren kurz nach der Kontaktaufnahme und vor einem ersten Treffen ist wirklich fast schon exotisch in der heutigen schnelllebigen Dating-Generation. Das Date mit dem Polizeibeamten in der höheren Laufbahn verlief ganz ok. Patrick war mir ein bisschen zu überstylt…wenn Haare, Augenbrauen und Vollbart wie gemalt aussehen ist mir das zu viel. Ich war nicht verliebt, aber das ist auch ein wenig viel verlangt finde ich. Ich weiß, viele erwarten das, aber mal ehrlich: wer hat sich direkt vom Fleck weg in seinen Partner verliebt? Viele laufen sich jahrelang im Flur eines Bürokomplexes über den Weg ohne sich auch nur einmal mit dem Arsch anzugucken und erst auf der x-ten Weihnachtsfeier oder dem hundertsten Mal in der Kantinen-Schlange anstehen knistert es plötzlich. Ich habe…apropos Mittagspause…immer Mitleid mit Kollegen, diesig ihr Essen in leer gelöffelten Eiscreme-Verpackungen mitbringen…das soll dann wie Tupperware funktionieren. Mich macht das traurig. Bei ALDI gibt es schon 3-er-Sets Plastikdosen ab 2,49€…das ist ein Preis den man ja auch für Eis bezahlt. Aber ok…manche sehen in solch einer Investition keine Notwendigkeit…hoffentlich ziehe ich sie beim Weihnachtsmarkt-Wichteln dieses Jahr…dann löse ich das Problem selbst und sie ziehen mich in meiner Pause nicht mehr so runter. Dann ist ja allen geholfen.

Von Männern, die sonst ständig den Austausch gesucht haben und diese direkt nach dem Date einstellen, sollte man sich in Gedanken schon einmal verabschieden….Kommt am selbigen Tag nix mehr, war’s das…auch wenn sie beim Verabschieden noch versprechen sich zu melden…was für eine abgefuckte Floskel…sagt doch einfach ‚Bis dann’…das ist unverbindlich und ich kann dich gleich abhaken. Er schrieb mir nach zwei merkwürdigen Tagen der Stille nach dem Date einen ellenlangen Text, in dem er sich herausredete…irgendwas von ,ich führe ein Leben auf der Überholspur’…bla bla bla..“Scheiß-Cop“ dachte ich und beschloss die Nachricht nur zu überfliegen und den gesamten Gesprächsverlauf inklusive Kontaktdaten umgehend zu löschen. Das ist eine meiner zwei Reaktionen bei Zurückweisungen…lesen, akzeptieren, Kontaktdaten löschen…ohne eine Emotion dabei zuzulassen…nicht nachdenken. Er will ja auch keinen weiteren Gedanken an mich verschwenden. Dann sollte ich versuchen es ihm gleich zu tun. Die andere ist für mich typischer: ich komme eigentlich mit Zurückweisungen weniger prächtig zurecht und für mich ist ein ,Nein‘ doch immer ein kleines ,Ja‘. Es ist mir zwar unverständlich aber manche Männer begreifen langsamer was für eine fantastisch Frau sie da vor sich haben…und die Zeit möchte ich ihnen ja dann doch einräumen…ich bin da geduldig und nachsichtig. Also rufe ich mich hin und wieder zurück in sein Gedächtnis. Die Möglichkeiten sind da ja schier unbegrenzt. Generell kann man z.B. immer irgendetwas irgendwo liken oder ein unwiderstehliches Profilbild einknipsen…der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Nur zum Stalker sollte man nicht werden. Die Grenze zwischen interessiert sein um Aufmerksamkeit zu erregen und furchteinflößend aufdringlich ist für manche zu zart, um sie mit bloßem Auge erkennen zu können

Aber einfach löschen und abhaken funktionierte irgendwie auch nicht…ich war erst aufgewühlt…und dann geladen. Aber weniger auf den Cop…eher auf Männer von denen ich mir berechtigt mehr erhofft hatte.

So beschloss ich in Richtung Lukas zu schießen. ,,Wir treffen uns hoffentlich wieder bald (ich möchte dir dann gerne mal Stuttgart zeigen)“…verdammt, ich will das einem Mann auch einfach glauben können. Nie würde ich derart lügen wenn ich den Typen gar nicht mehr sehen will.

Also rief ich mich in sein Gedächtnis: So nach dem Motto man könne gleich sagen wenn er kein Interesse an mir habe, statt mich über Wochen hin zu halten. Ich versendete alles in einer vorwurfsvollen Nachricht, die ich unter einem zackig runtergetrunken Glas Wodka-Tonic wütend in mein Handy gehackt hatte. Ich schickte sie ab und blickte von meiner Loggia ins Grüne…ich wollte gerade an nichts denken…ich fühlte eine Mischung aus Erleichterung und Furcht vor seiner Reaktion (wenn eine erfolgen sollte) in mir aufsteigen.

Es dauerte keine zwei Minuten da hatte ich schon eine Antwort. Blau war ich zu diesem Zeitpunkt auch schon. Glücklicherweise.

Nein, so sei es ja gar nicht gemeint gewesen. Er habe schon vor Tagen überlegt mir zu schreiben, aber da er einfach keine Zeit habe derzeit, hätte er nicht einmal einen Termin für das überfällige Treffen vorschlagen können. Derzeit sei er beruflich unterwegs.

Und nun begann die Sache ein rasant an Fahrt aufzunehmen.

Ich hatte ihn als unglaublich schüchtern eingestuft, was auch irgendwie mit seiner Körperhaltung zu tun haben mag. Immer vorgeschobene Schultern und einen leicht gekrümmten Rücken. Eine aufrechte Körperhaltung hat wirklich Auswirkung auf eine männliche Aura.

Auf jeden Fall hatte ich nicht erwartet, dass einer Entschuldigung sofort ein halbnacktes Selfie folgen würde mit der Bemerkung dass es in seinem Hotelzimmer uuuunglaublich warm sei was unmittelbar immer dazu führe dass er direkt geil werde. What?!Dem top-less-Photo folgte kurz darauf der allseits beliebte Klassiker aller Männer: Der erigierte Penis, stolz in die Richtung des Trägers gehalten und bestmöglich bei halbseidenem Licht inszeniert. Hätte ich diese Art von Selbstporträts nicht immer mit dem kompletten Gesprächsverlauf gelöscht, könnte ich mittlerweile eine beachtliche zusammengeklebte Collage aus solchen ,Trophäen‘ an meiner Toilettentür anpinnen…aber das würde auch meinen Mitbewohner verwirren. Ich habe wirklich nie einen Mann um eine Darlegung solcher Fakten gebeten…die kommen immer ungefragt.

Ok gut, ich hatte in den Wochen zuvor Erfahrung im Austausch erotischer Nachrichten zur genüge gesammelt und war nur kurz aus dem Konzept gebracht. Es geht oft schnell zur Sache wenn man sich eine zeitlang schriebt…irgendwann kommt es unausweichlich auf das Thema Sex. Also tauschten wir den ganzen Abend sehr aussagekräftige Nachrichten aus, in denen wir sehr detailverliebt beschrieben wie wir unseren ersten heißen Sex erleben wollten. Es dauerte nicht lange und ich erhielt eine Einladung…“du bist diese Woche alleine…wir werden Sex haben…morgen Abend!“

Er würde zwischen zwei Geschäftsreisen eine Nacht zuhause verbringen und durch meinen Urlaub hätte ich ja Zeit für die Anreise und eine ganze Nacht bei ihm.

Aufgekratzt durch zahllose erregende Nachrichten, die Macht der Bilder, die in meinem Kopf erzeugt wurden und die Tatsache, dass ich jetzt schon seit Wochen auf ein Zeichen dieses Mannes gewartet hatte, ließen mich nur für den Bruchteil einer Sekunde überlegen. Ich wollte. Ich wollte unbedingt. Ihn. Es. Alles mit ihm….

FORTSETZUNG FOLGT…..

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