In fremden Betten…Erwachen in der Verbotenen Stadt (Teil IV)

Nein…er hatte mir kein Überbleibsel Remouladensauce vom Schenkel geleckt!

Ich war unnötig kurzfristig in Panik geraten…hatte mich glücklicherweise mit zig Schichten duftender Essenzen einbalsamiert in meiner Aufregung, dass ich mir quasi eine Art Versiegelung, ähnlich der einer Auto-Premium-Wäsche (inklusive Heisswachs) verpasst hab. Die Sauce ist also von mir abgeperlt und er hatte lediglich Lotion auf der Zunge geschmeckt. Das wäre mir sonst peinlich gewesen: ich will Bauchnabel abwärts nicht das Aroma von deftigen Gürkchen verbreiten.

Eigentlich bin ich kein Fan von erstem gemeinsamen Sex…ich bin sehr aufgeregt, wenn mich der Mann von Anfang an umhaut…ausserdem sind da so gewisse Spannungen und Fragen die noch im Raum stehen: sich das erste Mal nackt zeigen (ich lasse gerne den BH an, da weiß ich dass alles in jeder Situation an seinem Platz bleibt), die Sache mit der Verhütung (wann sollte man das Kondom mal ansprechen?), macht er auch was ich wirklich mag oder muss ich ihm alles erst einmal erklären? Beim zweiten Mal bin ich entspannter. Dann kann ich mich auch schon richtig darauf freuen.

Nun, er wusste von Anfang an was ich gern hatte. Es war die Art von Sex, die mich spontan Liebe verspüren ließ…was natürlich echt scheisse ist, wenn man nicht weiß ob es weitergeht. Ich fuhr ihm immer wider durch die schönen dunklen Haare…streifte über seinen sportlichen Köper…er hatte keine Brusthaare, dafür viel Muttermale…aber die störten mich nicht…er verstand es, sich auf eine Frau einzulassen und obwohl ich sehr nervös war, weil ich mich einfach gut präsentieren wollte, konnte ich es genießen. Als wir miteinander schliefen und er auf mir lag, pendelte ein silbernes Kreuz, dass er an einer Kette trug ständig vor meiner Nase…Kruzifixe machen mich sonst nicht nervös…aber beim Sex hatte ich jetzt das Gefühl, da steckte irgendeine Bedeutung dahinter…aber deren Analyse verschob ich auf später. Der Sex war wie der perfekte Paartanz: eine glatte 10-Punkte-Wertung bei Let’s Dance…inklusive der von Llambi…also eine Sensation. Vielleicht lag es an der guten Vorarbeit…wir hatten ja in vielen Nachrichten schon ziemlich detailverliebt beschrieben, was wir so miteinander machen wollten und an das Konzept haben wir uns gut gehalten. Manchmal läuft es eben von alleine. Ich finde es auch sehr höflich, wenn man sich beim Sex nicht anschweigt…man sollte dem Mann auch ruhig sagen, wenn sich etwas gut anfühlt…oder wenn er den Finger gern mal genau da auflegen könnte…vielleicht ist hier und da mal etwas Überwindung nötig um den Mund aufzumachen, aber mir macht es Spass und die Männer finden es toll, wenn man sie auch mal ein wenig anfeuert…verständlich. Zumindest kann der Blickkontakt mal gesucht werden wenn man ineinander verschlungen ist…ein genussvolles Lächeln von beiden finde ich oft schon heiss genug.

Ich blieb aufgrund der Strecke über Nacht. Es gab nach dem Sex keine weiteren Streicheleinheiten. Er meinte sogar, dass sei generell nicht so sein Ding…kuscheln..auch bei seiner Ex-Frau war das schon so. Das war erst mal ok für mich…manchmal bin ich auch nicht empfänglich für Berührungen, die nicht auf einen Orgasmus zusteuern.

Nun würde ich nicht sagen, dass ich auch bei ihm geschlafen habe. In dieser Nacht habe ich kein Auge zugemacht. So oder so bin ich schon kein guter Auswärtsschläfer und wenn ich dann nicht weiß wie der Mann neben mir künftig zu mir stehen wird, ist an Schlaf gar nicht mehr zu denken. So lag ich also wach…wenigstens hatte ich mein eigenes Kissen, ein wenig Gewohntes in der Fremde. Männer fallen ja generell 90 Sekunden nach dem Beischlaf ins Koma. Die scheinen sich die Frage wie es nun weitergeht erst am Folgetag zu stellen…beneidenswerte Fähigkeit. Ich schaute auf mein Handy….in exakt 5 Stunden würde ich mit ihm aufstehen (kann noch schlechter schlafen wenn ich weiß, dass die Nacht eh schon kurz ist). Früher hat man sich geküsst und war automatisch ein Paar. Das hat heute keine Aussagekraft mehr. Draußen hörte ich wie erst der Bäcker beliefert wurde…dann kam die schwäbische Müllabfuhr…und neben mir lag der hübsche Mann, für den die Welt immer noch die gleiche war. Meine hatte sich schon jetzt komplett verändert…ich spürte, dass ich ihn jetzt schon mochte…ich dachte an die Präriemaus…scheiss Chemie. Noch mal eine halbe Stunde später hörte ich einen mir unbekannten Weckton aus einem Handy…er stand sofort auf. ,,Guten Morgen…hast du gut geschlafen?“…ich log. Dann ging er ins Bad und kochte danach Kaffee in der Küche. Erst dann stand ich auf und zog mich hastig an. Als ich durch den Flur lief, fielen mir zum ersten Mal die vielen Bilder seiner beiden Kinder auf…ganz kurz kam in mir die Frage auf, ob ich sie jemals kennenlernen würde. Ich tadelte mich innerlich selbst dafür. Wie töricht zu glauben, man sei nach einer Nacht gleich ein halbes Familienmitglied.Wir saßen kurz ohne viel zu sprechen mit Tassen in der Hand am kleinen Küchentisch. Keiner wollte sich äußern oder fragen ob und wie es weitergehen könnte. Nach einem flüchtigen Kuss verabschiedeten wir uns an der Haustüre…ich ging mit meinem Kissen unter dem Arm noch zum Bäcker, holte mir Frühstück (ich konnte dort noch nichts essen), schaute noch ein letztes Mal auf das Haus (ob ich hierher noch einmal zurückkehren werde?) und trat die Heimreise an…ich fuhr  sehr langsam zurück…LKW’s überholten mich. Mein Kopf war voller Gedanken….

Wir würden uns wiedersehen…aber das sollte wieder eine ganze Weile dauern….

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