Zurück aus der Verbotenen Stadt (Teil V)

Wie gesagt: die Heimfahrt war schier endlos. Es lag nicht einmal am Berufsverkehr zwischen Stuttgart und Karlsruhe…sondern mehr daran, dass ich mich ungern von ihm weg entfernen wollte. Wenn ich zuhause ankomme, dann ist alles vorbei…ich werde in die Realität zurückgeworfen und würde mich mit zig Fragen konfrontieren müssen. Also fuhr ich eben seeeehr langsam. Schneller als 100km/h ging nicht…dafür war ich zu unkonzentriert. Man muss ja auch Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen. Ich schaute nach rechts. Auf dem Beifahrersitz lag die Bäckertüte mit den Backwaren, die ich direkt vor seiner Haustüre noch gekauft habe. Auf dem Papier war neben dem Namen auch die Adresse der Bäckerei aufgedruckt…ich wurde bei diesem Anblick plötzlich sentimental: würde ich je in diese Straße zurückkehren, sprich:…ihn wiedersehen? Und was, wenn das die besten Vollkornbrötchen ever sind und ich würde sie zum ersten und gleichzeitig zum letzten Mal essen dürfen?! Ganz kurz hatte ich den Gedanken sie einfach einzufrieren…wie dämlich…als ob man einen schönen Moment konservieren könne, in dem man sich Brötchen auf’s TK-Lager legt.

Ständig hatte ich die Bilder der letzten Nacht vor mir…Kopfkino pur…ich spulte den ganzen Film immer wider zurück und sah ihn mir von vorne an: diese heftigen Küsse und die Lust auf viel mehr…wie gut er sich anfühlte und wie selbstlos er mich verwöhnt hatte mit den Händen und der Zunge bevor wir auf unterschiedliche Weise irre guten Sex hatten.

Plötzlich gab die Bäckertüte ein Glöckchenbimmeln von sich…mein Handy lag darunter. Es war meine Freundin…verdammt, fast hätte ich vergessen ein Lebenszeichen abzusetzen. ,,Lebst du noch???“ Du solltest dich melden und Entwarnung geben!“… ,,Ja, alles ok, es geht mir gut“ (tat es das?). ,,Wie war’s denn? Seht ihr euch wieder?“… ,,Es war leider gut und mehr weiß ich auch noch nicht. Ich muss mich erst einmal sortieren…ok? Aber danke, dass du an mich gedacht hast!“… ,,Ok, meld‘ dich, wenn die Dinge etwas klarer werden…denk an dich!“

Ich muss ja nicht unbedingt ins Detail gehen, wie ich während einer Autofahrt Nachrichten absenden konnte (mit dem heutigen Strafkatalog)…das geht eben nur, wenn man seeeeehr langsam fährt.

Doch egal wie man etwas in die Länge zieht…alles ist endlich…schon konnte ich die ersten Fassaden meiner Stadt erkennen…und da war auch  schon meine Abfahrt—plopp–die Blase ist geplatzt…welcome to reality. Manchmal hasst man das alltäglichen Anblick rund um das eigene Viertel. Als ich die Haustüre aufschloss hatte ich das Gefühl ewig lange weg gewesen zu sein…es lag nicht nur an der für eine Nacht üppig gepackten Reisetasche und dem eigenen Kissen…etwas in mir hoffte, es würde sich mit dieser Nacht alles ändern.

Ich warf mein Kissen auf’s Bett und startete den Kaffee-Vollautomaten…ich brauchte ganzdringend ein ausgiebiges Frühstück, schließlich hatte ich ja seit dem Raststätten-Snack nix mehr gegessen…und viel Kaffee, denn schliesslich hatte ich diese Nacht kein Auge zugemacht. Ich verzichtete auf eine Erinnerung in Form von verderblichen Lebensmitteln und beide Brötchen wurden aufgegessen…nun war ich wieder besser dran. Als nächstes wollte ich das Schlafdefizit ausgleichen. Tagsüber kann ich generell nicht schlafen…vielleicht mal 20 Minuten wegdösen…mehr ist nicht drin. Und mit den ganzen Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, war da eh nix zu machen. Die Chemie hatte bei mir voll zugeschlagen: ich fühlte mich nach dem Sex total zu ihm hingezogen. Jetzt nur einen kühlen Kopf bewahren und nicht direkt mit Nachrichten nachhaken. Als ich auf dem Bett lag, ruhte mein Handy direkt neben mir. Ich würde mich nicht melden…aber falls er es tun würde wollte ich den Moment schliesslich nicht verpassen und bereit sein…nur noch 20%, sagt der Akku…also lieber noch mal kurz raus aus’m Bett und das Ladekabel holen. Zurück aufs Bett. Dann merkte ich, dass ich mich nicht mehr richtig frisch fühlte. Ich hatte auf der Fahrt noch das Bedürfnis, ihn nicht zu schnell von mir abzuwaschen, doch nun kippte das Gefühl und ich fühlte mich siffig…schliesslich wollte ich mich doch wohlfühlen während ich darauf wartete, dass er sich eventuell melden könnte. Wieder raus aus dem Bett und ab unter die Dusche… bequeme Sachen angezogen, mit denen man sich gut fühlt, am liebsten man selbst ist…und wieder auf die Decke. Das Handy war natürlich mit im Bad…nur für den Fall der Fälle.

Tatsächlich trat das ein, was eigentlich nie passiert wenn man darauf wartet: ich erhielt eine Nachricht von ihm:

,,Bist du gut angekommen? Das war richtig gut letzte Nacht!“

Jetzt nur nicht direkt antworten…das klingt sonst so gierig, als ob man die ganze Zeit nur darauf gewartet hätte.

,,Ja das war es…aber ich war nervös“…soll heißen: ich kann’s noch besser!

,,Das habe ich gemerkt…aber ich fand’s süß“

Und das war es auch schon fast mit dem postkoitalen Nachrichtenaustausch.

Am nächsten Tag fuhr ich mit Eltern und Kind nach Italien und nach einem ,,Gute Reise“-Gruß von ihm war der Kontakt eingestellt…

….vorerst………….

P.S den LKW oben habe ich auf der seeeehr langsamen Fahrt fotografiert….und ich war tatsächlich kurz von meinen Gedanken abgelenkt und man muss sich die Frage stellen: wie eilig können es die Kunden in diesem Fall noch haben?!

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2 Gedanken zu „Zurück aus der Verbotenen Stadt (Teil V)“

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