Rückkehr in die Verbotene Stadt (Teil VI)

Der einwöchige Italien-Urlaub kam mir sehr gelegen um wortwörtlich etwas Abstand zwischen mich und Lukas/Stuttgart zu bringen…erleichtert wurde das ganze durch den krassen Gegensatz zum heimischen Alltag: die malerische Landschaft der Toskana, unglaubliches Essen, die Konfrontation mit einer Sprache, der man nicht mächtig ist…genug Ablenkung um nicht an die Nacht mit ihm zu denken…dazu kam der Mangel an W-LAN wenn man den ganzen Tag durch norditalienische Altstädte streift. Man konnte es also gleich vergessen, sich ständig auf dem Handy zu vergewissern dass er NICHT schrieb.

Die Tage vergingen wie im Flug und kaum zu Hause angekommen warteten neben halb verdursteten Balkon-Pflanzen (ich wollte einfach nicht den Schlüssel an die Nachbarin abgeben…das forderte nun Opfer) auch die gleichen Fragen wie vor der Reise auf mich:

WANN MELDEST DU DICH? SEHEN WIR UNS WIEDER? ENTWICKELT SICH DAS VIELLEICHT DOCH NOCH?

Er meldete sich…doch war es wohl nicht er selbst der mich vermisste…eher sein Schwanz. Aber das reichte mir für den Anfang. Er bot mir an, dieses Mal nach Karlsruhe zu kommen. Würden wir nun auch ein wirkliches zweites Date (nach dem Frühstück) haben oder nur den zweiten Sex?

Der Gedankenaustausch via WhatsApp die Tage davor gab ganz klar die Richtung vor: schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen (die letzte Nacht zusammen) und freudige Erwartung dessen was nun kommen sollte (auch wieder ausschliesslich Sex)…er konnte so phantasievoll sein wenn er darüber schrieb, wie er es mir besorgen wollte…aber sonst bekam er kaum mehr als einen Satz geschrieben.

Das Wetter an dem Juli-Abend war warm und einfach zu schade um ihn ihm Bett zu verbringen. Ich musste ihn tatsächlich überreden zu einem Essen in die Stadt zu fahren. ,,Nun gut, aber nur was Kleines und wir laufen auch nicht, denn das kostet ja sonst noch mehr Zeit…denn ich hab ja noch was mit dir vor“. Ich glaubte kaum was ich da hörte. Aber ich ließ mich nur kurz irritieren und beschloss meinen Plan durchzuziehen: ich WOLLTE einen schönen Abend im Freien verbringen…am besten einen kleinen Schwipps, bedingt durch den ein oder anderen Cocktail.

Der Rest ist kurz erzählt…ein wirklich kleines Essen…er wurde wohl auch schon ein wenig ungeduldig als ich mir in aller Ruhe einen zweiten Cosmo bestellte, während er eigentlich schon zahlen wollte. Zwing ich dich eben zu dem Date, auf das ich so lange warten musste…pfffft!

Danach zu mir…auch beim zweiten Mal lieferte er sehr gut ab, was aber auch damit zusammenhing, dass ich deutlich lockerer und somit enthemmter war…an Schlaf war auch bei meinem Heimspiel wieder nicht zu denken. Wenn ich nicht weiß woran ich bin, dann komme ich einfach nicht zur Ruhe. Morgens gab es ein liebevoll hergerichtetes Frühstück…mit frisch gepresstem O-Saft…damit huldige ich nur den besten Liebhabern. Danach verabschiedete er sich direkt und -plopp- war er wieder raus aus meinem Leben.

Wieder vergingen Wochen in denen wir uns nicht sahen…und wenn wir schrieben ging es nur um Sex. Es machte zugegeben schon Spass sich mit heißen Texten auszutauschen…wir waren da auch wirklich kreativ. Irgendwann bat er mich um ein selbst gemachtes Video: ,,Ich möchte sehen wie du es dir machst!“. Bitte what??

Das hatte ich bisher noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen…natürlich haben mich schon andere Männer freundlich um solch ein Film-Material gebeten. Aber erstens war ich nie locker genug um das mal anzugehen und zweitens hatte ich immer die Befürchtung, dass sich solch eine Doku mal nach einer unschönen Trennung im Netz verselbstständigen könnte…und daher habe ich immer höflich verneint.

Aber er ließ nicht locker…und irgendwie wollte ich mich ihm ja so offen wie möglich präsentieren.

Es war EM-Zeit und ich hatte zum Deutschland-Spiel die Bude voll mit Freunden. Wenn man als Mum schlecht abends raus kann, kommen die Freunde eben zu einem…und dann wird im Sommer der Grill angeworfen. Ich esse bei gutem Wetter irgendwie alles gegrillt von der eigenen Loggia. Während des Spiels meldete er sich und hakte nach…er würde sich ja sooo freuen, wenn mal was käme. Ich war durch ein paar Bier in prächtiger Stimmung und war auch irgendwie in sexueller GeberLaune. Ja mal schauen und so…vielleicht wenn hier alle raus wären…jetzt war ich entschlossen. Leider geht niemand wenn man sie raus haben will…auch lange nach Abpfiff.

Doch ich war irgendwann tatsächlich allein mit mir.

Man sollte es wirklich einmal tun. Kann ich jedem nur empfehlen! Mal auf diese Weise über seinen Schatten springen. Ist gut für das eigene sexuelle Ego…und der Mann freut sich wie über den Gewinn der EM, wenn er ein 7-minütiges Video bekommt, in dem sich die Frau sexy hergerichtet selbst verwöhnt…macht das mal und schickt es eurem Freund/Schwarm…das macht die echt verrückt.

Es pendelte sich ein, dass wir uns so alle sechs Wochen zum Sex trafen…es waren schöne Abende. Er meinte auch, wenn die Entfernung nicht wäre, er könne sich mehr vorstellen.  Sogar einen gemeinsamen Urlaub schlug er vor. Ich wollte ihm glauben….ich war verliebt.

Wenige Wochen später…es war ein Mittwoch Morgen im November, saß ich beim Frühstück, als das WhatsApp-Klöckchen schellte…mich ereilte ein seltsames Bauchgefühl: ich fühlte dass er es war…aber morgens? Irgendwas war daran seltsam.

,,Karla,ich will ehrlich mit dir sein. Ich habe am Wochenende beim Ausgehen eine Frau getroffen. Sie ist auch aus Stuttgart. Ich möchte sie näher kennenlernen. Es tut mir leid, ich werde mich daher in nächster Zeit nicht bei dir melden. Hoffentlich möchtest du trotzdem mit mir in Kontakt bleiben…es würde mich freuen.“

Ich setzte mich wieder. Vielleicht hätte jemand an meiner Stelle geweint oder geflucht. Ich löschte einfach nur den gesamten Nachrichten-Verlauf und blieb ruhig sitzen. War das der Schock?

Ich nahm meine Schlüssel und ging zur Haustür hinaus…Zahnarzt-Termin. Hoffentlich muss er mich betäuben und bohren…dann könnte ich einen anderen Schmerz spüren, es wäre kein Platz für einen weiteren aus dem Herzen…und der Bohrer wäre zu laut, um meine eigenen Gedanken zu hören…….

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2 Gedanken zu „Rückkehr in die Verbotene Stadt (Teil VI)“

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