Der Komiker…Umbruch in der Verbotenen Stadt (Teil VI)

Gut…dass es am Anfang im Bett mal etwas hapert…kann mal vorkommen. Es steht und fällt eben viel mit dem Leistungsvermögens des Mannes. Ich möchte nicht mit denen tauschen wollen. Als Frau kann man Sex haben und dabei trotzdem an tausend andere Sachen denken (to-do-Listen durchgehen z.B)…dafür bin ich sehr dankbar, denn wir haben eh schon mit tausend Sachen gleichzeitig zu tun im Alltag…und dann noch eine stattliche Erektion auf Knopfdruck abliefern? Nee echt…ich bin froh, dass den Job die Kerle haben…sonst gäbe es wohl echt weniger Beischlaf auf der Welt. Wenn ich mir diese Situation so vorstelle…also mal im umgekehrten Fall…dieser Druck…und wie würden die Männer damit umgehen, wenn Frau mal nicht kann?Verständnis oder lange Gesichter?

Ich für meinen Teil zeigte viel Verständnis für den Komiker…Männer, die keine 30 mehr sind…gezeichnet sind durch Scheidung, Sorgerechtsstreitereien, Tinder-Dates, Unterhaltsverpflichtungen, die entwickeln gewisse Blockaden in verschiedenen Bereichen. Die Leichtigkeit in der Sexualität geht beim ein oder anderen flöten und immer mehr setzt der Kopf ein. Die Folge ist dann, dass es oft ziemlich klemmt wenn das Licht gedimmt und es ernst wird.

So war es auch hier…und wenn quasi beide um seine Erektion kämpfen muss…dann ist das echt anstrengend und macht keinem so wirklich Spaß. Und es schleichen sich schnell Bilder ein…nicht dass man sie sich wünscht…aber sie kommen eben…wie Träume (da kann man sich den Inhalt auch schlecht wünschen)…das Kopfkino vom tollen Sex…mit einem anderen Hauptdarsteller…dem Garanten für leidenschaftliche Nächte und zahlreichen Orgasmen…man vergleicht schlichtweg. Sollte unterlassen werden, aber automatisch schlittert man da schnell rein.

Wenn der Mann, der immer noch eine derartige Anziehungskraft besitzt, nur einige hundert Meter Luftlinie weiter im Bett liegt, während man hier unerfüllt einschläft…da kann doch keiner den Kopf frei haben.

Diese Nähe stresste mich…es war quasi der gleiche Anfahrtsweg wie bei Lukas…nur zwei Ausfahrten auf der Bundestrasse eher abfahren. Wie das unerreichbare Bonbon-Glas auf dem Schrank aus der Sicht eines Kindes. Was würde ER wohl denken, wenn er wüsste, dass ich im seiner direkten Nachbarschaft mit dem Nächsten schlafe? Würde es ihn kalt lassen? Mich erfasste ein beklemmendes Gefühl wenn ich das Stadtschild passierte…ich wollte nicht die nächste Abfahrt raus…einfach mal weiterfahren?…natürlich NICHT!!Sollte ich ihn darüber in Kenntnis setzen?…dass ich einen anderen Mann date in seiner direkten Umgebung?…natürlich NICHT!!!Wenn wir uns demnächst zu viert an der Tanke begegnen…oder beim Ausgehen…dann wäre das eben so…Aber könnte ich in diesem Moment zu meinem Neuen stehen? sieh her, das ist der Mann, der mich will…und du hast mich weggeschmissen!! Er ist in Allem so viel besser als DU!!….(außer beim Sex…)

Doch nicht nur in Stuttgart verfolgte mich das Thema…ein Spaziergang mit dem Kopfhörer durchs eigene Viertel…vorbei an einem traditionell geführten Café mit den besten Torten der Stadt…von meiner Omi liebevoll Café Methusalem genannt, weil dort hauptsächlich gesetzteres Publikum verkehrte. Es gab parallel zur Torte ganz klassisch eine kleine Auswahl an Speisen (Toast Hawaii u.ä…alles dort war in den 70ern hängengeblieben…Inventar…das Kännchen Kaffee)…Es war wohl Freitag, denn verwitwete Damen nahmen an der bestuhlten Seite zur Straße GebackenesKabeljauFilet mit Kartoffelsalat und Remouladensauce zu sich (der Freitags-Klassiker).Plötzlich traf mich der Schlag….ich sah den BMW von Lukas…vor der Konditorei geparkt. Der wird doch nicht extra nach Karlsruhe kommen, weil ich den Kuchen mehrfach angepriesen habe? Vielleicht steht seine Neue auf Süßes? Oder seine Neue ist von hier????!! Wie schräg wäre das?? Definitiv nicht komisch!!!

Ich checkte das Nummernschild ein zweites Mal…falscher Alarm…ganz dicht dran, aber Buchstaben-und Zahlendreher…OMG…es beherrscht mich…er war wieder da…mit voller Wucht.

Er wollte auch nicht mehr gehen…quasi gekommen um zu bleiben…und das obwohl es bei mir und dem Komiker immer besser lief…er hatte Vertrauen gefasst, Blockaden lösten sich…sprich: es gab jetzt richtigen Sex…der auch echt in Ordnung war. Aber ich konnte den anderen nicht loslassen…egal wie großartig der Neue war…es war unbeschwert unkompliziert und immer lustig…warum wollte es nicht klappen? Will ich immer was ich ich nicht haben kann?

Und irgendwann erwischte ich mich dabei, wie ich überlegte wieder mit ihm in Kontakt zu treten…seine Nummer hatte ich gelöscht…eigentlich aus gutem Grund. Ich hatte nur noch seine Adresse…eine Postkarte? Ein Brief?…und was nehmen wir als Anlass für die Korrespondenz? Ostern war schon vorbei….

Ich hasste mich für diese Gedankengänge, aber mir wurde auch eines klar: es würde mir keine Ruhe lassen…wenn er eine Neue hätte, könnte er mir ja eine erneute Abfuhr erteilen und dann wäre das Thema vom Tisch. Dann hätte ich mich von seinem Geist befreit und könnte mit dem netten und liebevollen Mann ein paar Straßen weiter neu durchstarten.

Da er keinen Festnetzanschluss hatte, konnte mir auch der Telefonjoker 11833 nicht helfen und so fiel mir tatsächlich nichts Besseres ein, als auf die altmodische Form des Schreibens zurückzugreifen…auch etwas feige klar, aber sichere Distanz erschien mir da einfach bequemer.

Ich hatte auch einen Anlass gefunden: Er fing nächste Woche seinen neuen Job an und da wäre es doch eine schöne Geste, ihm zum Start alles Gute zu wünschen?!

Dies würde auch diskret ablaufen. Aus Rücksicht gegenüber der langhaarigen Schönheit gäbe es keinen wirklichen Absender auf der Karte…nur Grüße aus Karlsruhe…eventuell unterschrieben von einer oder einem „C“ (das ist dann so James-Bond-Geheimdienst-mäßig-geheimnisvoll). Frauen Ende 20 (älter war sie sicher nicht) können gerne mal aufbrausend werde aufgrund einer vollständig mit Adresskopf ausgefüllten Postkarte und Damenhandschrift…den Stress wollte ich ihm dann doch ersparen. Meine Telefonnummer wollte ich auch nicht erneut in sein Gedächtnis rufen und beschloss sie nicht erneut zu hinterlassen…das fand ich dann komischerweise erbärmlich an der ganzen Sache.

Eigentlich war der Plan schon durchdacht…bis mir einen Tag später mein altes Handy im Kinderzimmer in die Hände fiel…es war nicht mehr wirklich funktionstüchtig aber mein Sohn nutzte es manchmal um Musik zu hören. Vielleicht war seine Nummer durch die Cloud hier noch vorhanden? Ich spürte wie das Herz schneller schlug. Leider wollte das iPhone seine Geheimnisse nicht einfach so preisgeben: der Akku war mal wieder leer. So begannen qualvolle Minuten des Wartens…..bis der Apfel wieder aufleuchtete…ich ging in Kontakte und da war ER wieder…behutsam schrieb ich die Nummer auf um Zahlendreher zu vermeiden…mit zitternden Händen.

Irre, was durch falsch abgetippte Zahlenkombinationen alles so passieren kann…ich bekam mal einen morgendlichen Gruß, der zweifelsfrei irrtümlich an mich versendet wurde:

„Guten Morgen…mein harter Schwanz freut sich auf dein geiles Fötzelchen! Bis heute Abend!“

Was mich hierbei wirklich zum Nachdenken brachte war die Tatsache, dass sich hier zwei Menschen zwar offensichtlich näher kannten, es aber wohl nicht notwendig erschien, die Nummer des anderen abzuspeichern..so könnten Pannen beim Versenden vermieden werden und die Beziehung der Beiden (egal welcher Art) würde mit einer gewissen Festigkeit geehrt werden…wenn der Umgangston schon lasziv locker ist. Es wäre eine Wertschätzung der Frau, die der Typ da derzeit zu bumsen schien.

Der Text stand.

Er sollte unaufgeregt sein…neutral…und keinesfalls wie ein Hilferuf klingen…geschweige denn Sehnsucht rufen.

Hallo Lukas,

Ich meine mich zu erinnern, dass du in diesen Tagen deinen neuen Job antrittst…ich wünsche dir für den Start alles Gute..

Grüße C.

P.S ich habe deine Nummer schon länger gelöscht“

Ob er eine schöne arbeitsfreie Zeit gehabt habe hätte ein höflicher Mensch an dieser Stelle noch gefragt. Doch im wollte im Falle einer Antwort einfach nicht bestätigt haben, dass er sein Topmodel in den letzten 12 Wochen an den schönsten Stränden dieser Welt gevögelt hat.

Ich klickte auf Senden……

Fortsetzung folgt

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