Ehrlichkeit im Alltag oder: lohnt es sich wegen Knabber-Igeln zu lügen?

Ich möchte lediglich kurz von einer kurzen Begebenheit erzählen, der ich am Rand zugehört habe…hat mal nichts mit Männern zu tun…lediglich von den kleinen zwischenmenschlichen Dingen.

Ich saß gerade noch beim Italiener zum Essen auf dessen schöner Terrasse…das Kind (vollgestopft mit Gratis-Pizza, weil unter sechs Jahre) spielte in Sichtweite am dazugehörigen Spielplatz, so konnte ich in Ruhe und völliger Entspannung meinen Cappuccino trinken…und einem Dialog am Nebentisch lauschen.

Da saßen zwei Damen, beide geschätzt Ende 60…eingehüllt in funktioneller Outdoor-Kleidung in dezenten BeigeTönen…sie stuften den Ausflug in das etwas abseits gelegene Restaurant wohl als Wanderung ein. Ich bekam mit, dass sie sich wohl aufgrund einer längeren Reise seitens der Einen länger nicht sehen würden.

Die eine Dame kramte plötzlich in ihrer Handtasche und zog eine Tüte mit Knabber-Igeln (Alnatura) hervor. Es muss wohl eine Anspielung auf ein gemeinsames Erlebnis gewesen sein, denn beide gerieten in eine derartige Verzückung, die für Aussenstehende nur schwer nachzuvollziehen war. Irgendein gemeinsamer Magic-weisst-du-noch-Moment?….Vielleicht haben sie mal ein ganzes Igel-Rudel vor dem sicheren Verkehrstod bewahrt, sind im Kino wegen ungebührlichen Raschelns mit der Tüte angepöbelt worden…oder es ist irgendwas Sexuelles??…was noch schwerer zu rekonstruieren wäre…aber dieses Kichern? Das hat immer was mit Sex zu tun, oder?!

Doch dann: Ernüchterung!

Denn die Beschenkte meinte prompt:,,Die ess‘ ich gar nicht!“

Ich war ganz Ohr…einer solchen Ehrlichkeit begegnet man selten im Alltag. Jeder andere hätte sie doch einfach eingesteckt und weitergelächelt.

Man kann sich das Erstaunen der Geberin vorstellen…der totale Schock….ein Moment komplett Stille…ich in völliger Spannung gefesselt.

,,Kanne ich ihne noche was brin-ge??“…der italienische Kellner platzt hinein. Oh fuck…jetzt doch nicht!!!

,,Nein, danke…alles gut!!“ ich schaute einfach schräg an ihm vorbei. Voyeurismus!

Doch plötzlich ergriff die Beschenkte die Problemlösung. Sie schlug vor, die Tüte an den Gatten weiterzuschenken. Beide schienen sichtbar glücklich. Es wurde wieder gelacht. Der Tag war gerettet und ich irritiert.

Ich packte es nicht….Frauen in meiner Altersstufe kenne ich anders. Nicht so ehrlich. Ich hätte auch der Einfachheit halber Freude vorgetäuscht und gut ist…..aber warum? Weil es weniger Aufwand bedeutet? Weil niemand verletzt wird?…..Können Knabber-Igel verletzten…..?

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Dirty Harry (Teil II)

Und dann war er da: der Tag an dem wir uns endlich treffen sollten….nach fast 5 Wochen  Telefonieren und Schreiben. Ein Dienstagabend und ich hatte Heimspiel. Wir einigten uns auf eine Sushi-Bar als Treffpunkt.

Es war bitterkalt an diesem Abend…mag auch daran gelegen haben dass ich ein knappes Lederkleid trug. Ich verzichtete auf den üblichen Spaziergang, um die Nerven etwas im Griff zu haben und nahm stattdessen die Tram Richtung Innenstadt. Die letzten 400m waren eine schier endlose Gerade und ich versuchte ihn aus der Ferne schon frühzeitig zu erkennen. Erst auf die letzten Meter sah ich ihn aus dem Dunklen heraustreten. Er war tatsächlich sehr groß mit seinen knapp zwei Metern…er trug einen dunklen grauen Mantel und schwere Boots…ansonsten gab es keine Überraschungen. Dadurch dass wir unzählige Fotos und auch Videos hin und her geschockt hatten, konnte sich jeder ein genaues Bild vom anderen machen. Er küsste mich auf die Wange…wir betraten das Restaurant und nahmen an der Bar Platz, wo Sushi-Portionen aller Art an uns vorbeifuhren. Irgendwann merkt man an den kleinen Dingen, dass man schon eine gewisse Erfahrung in punkto Dating hat…zum Beispiel wenn im Winter schon ein Taschentuch griffbereit in der Jackentasche parat liegt, weil einem beim Eintritt ins Warme spontan der Rotz aus der Nase läuft…und keiner will in solch einer peinlichen Situation panisch nach einem Tempo kruschteln. Mir geht es zumindest so.

Eigentlich verlief das Gespräch ganz gut und flüssig…aber er erinnerte mich in einer Sache ganz stark an den Pferdeflüsterer: er mäkelte an allem rum…dem Essen, dem Weißwein, der Atmosphäre…und damit hatte ich natürlich sofort den Eindruck, dass er sich nicht wohl fühlte. Leider fiel mir in diesem Moment auch ein, dass die beiden Männer im Sternzeichen Fische geboren waren und die Parallele gefiel mir so gar nicht. Ich kann es gar nicht haben wenn ein Mann direkt motzt und damit die Stimmung vergiftet. Ich hatte auch schon mal ein Date, da war der Kellner wirklich unterirdisch unbeholfen und nix wollte klappen…aber wir konnten das weglachen. Ich lasse mir doch ein Kennenlernen nicht davon ruinieren, dass die Alge nicht wirklich intensiv grün daherkommt und mir ist auch wurscht, was ihr zugestoßen sein könnte, um solch einen seltsamen Farbton anzunehmen. Hauptsache der Fisch ist frisch….denn sonst wird es wirklich unschön!

Irgendwann beschlossen wir nach einem für ihn mittelprächtigen Essen in eine Bar weiterzuziehen. Er bezahlte und wir liefen ein paar hundert Meter durch die Stadt. Ich liebe diese Bar…sie ist dunkel gehalten, aber modern. Wir nahmen an  der Wand auf einer langen Bank mit mehreren kleinen Tischen nebeneinander Platz und bestellten starke Cocktails.

Es verging einige Zeit mit Gesprächen und weiteren Gesprächen…irgendwann verlor ich das Gefühl endgültig, ob der Abend denn nun als gelungen oder merkwürdig einzustufen war. Mein Gegenüber sendete mir keine Signale, die mir hätten helfen können, das Ganze besser einzuschätzen. Als ich Luft nahm um einen neuen Satz zu starten legte er plötzlich seine Hand um meinen Nacken, zog mich nahe zu sich und gab mir einen heftigen Kuss. Ah ok….das kam nun wirklich unerwartet! Ganz kurz beschlich mich das Gefühl, er war mit dem Verlauf des Abends nicht ganz zufrieden und ging nun diesen Weg um auszuloten ob da doch noch irgendwas passieren würde. Manchmal ist ein Kuss in einem komischen Date die Flucht nach vorne.

Ich versuchte mir meine offensichtliche Überraschung nicht anmerken zu lassen und ich konterte, indem ich ihn nach kurzem Sammeln ebenso küsste.

Kurze Zeit später wurde gezahlt und wir machten uns auf den Weg…nur…was war das Ziel?

Irgendwann kam die alles entscheidende Kreuzung: die Straße rechts runter liegt meine Wohnung…verabschieden, rechts abbiegen…der Abend wäre vom Verlauf her völlig ok gewesen…(das weiß man dann später). Weiter geradeaus lag sein Hotel. Ich überlegte kurz…dann beschloss ich ihn noch ein Stück zu begleiten. Warum? Jeder weiß, dass ab hier ein Absprung kaum gelingen würde. Er hielt auf dem Weg kurz an und wir küssten uns leidenschaftlich…ich verlor mich in der Situation und begleitete ihn bis aufs Zimmer.

Warum rennt man manchmal ungebremst auf den Abgrund zu? Obwohl er ausgeschildert ist….

Ab da lief es gar nicht mehr gut…

Wir hatten uns an der Hotelbar noch eine Flasche Weißwein organisiert…tja…und dann öffnete sie sich: die Zimmertüre des typischen 4-Sterne-Business-Hotels.

Kaum hatten wir den den Gläsern genippt begann er erneut mit Zärtlichkeiten…und ab da lief es dann definitiv nicht mehr gut…weil nämlich gar nichts mehr klappte. Ich bin  ja manchmal echt froh eine Frau zu sein. Wir haben einfach nicht diesen Leistungsdruck im Bett…wenn wir mal nicht voll dabei sind oder es eben doch nicht so doll ist, klappt es trotzdem vom Ablauf her vollkommen reibungslos. Kennt vielleicht der ein oder andere: Wenn man nicht weiß ob man den Beischlaf nun als vollzogen betiteln darf? Beide bemühen sich redlich…doch der Kampf um eine nennenswerte Erektion geht letztlich verloren und man gibt frustriert auf. In einer guten Beziehung kann man damit umgehen…aber beim ersten Date echt schwierig…zerschneidende Stille auf beiden Seiten…man beschließt sich erst einmal für den erst der Nacht schlafend zu stellen…warum bin ich nicht gegangen? Noch in der Nacht? Schlafen konnte ich nicht…irgendwann wurde es durch die mäßig zugezogenen Vorhänge hell draußen und ich ging ins Bad um eine gefühlte Ewigkeit zu duschen. Als ich wieder in den Schlafbereich kam hatte er sich schon vollständig angezogen. Kein Zweifel: er hatte es äußerst eilig hier wegzukommen!

Ich setzte mich neben ihn während er sich die Boots schnürte. ,,Hör‘ mal…vielleicht sollten wir einfach einen zweiten Versuch starten…mal ein Wochenende wegfahren oder so…was hältst du davon?“ meinte er. Ich nickte und war sehr froh, dass er wohl doch nicht so auf der Flucht war wie es für mich den Anschein nahm. Dann fuhr er mich nach Hause…Harald…er küsste mich kurz zum Abschied auf die Wange…dann hatte er es wieder eilig wegzukommen. Hörte ich Reifen quietschen vorne an der Kreuzung??

Ich legte mich ins Bett…es war mittlerweile 9.00 Uhr morgens. Schlafen konnte ich trotzdem nicht. Alles fühlte sich beschissen an…alles hing in der Luft. Ich schrieb ihm irgendwann wie es ihm ginge. Vielleicht suchte er ja gerade auch irgendwie nach einem Einstieg um den ,,Kontakt danach“ wieder aufzunehmen….

Es kam eine lange Nachricht von ihm zurück. Ich habe sie nicht lange behalten und kann den Inhalt nur noch aus dem Gedächtnis zusammensammeln.

Ein Gestammel aus:,,Der Abend lief anders als geplant…so wollte ich das nicht…wollte dich aber auch nicht abweisen…du bist eine tolle Frau…sei ein bisschen mehr passiv…lass‘ dich mal erobern, dann kommt auch der Richtige…eher kein weiteres Treffen! Sorry! Schreib‘ einfach über mich wenn du dich ärgerst…das ist ok“…

WHAT THE F***! Jetzt war ich also schuld an Allem?! Er bekommt keinen hoch und nun schiebt er alles auf mich?!

,,Ok…du kannst lange Nachrichten schreiben, dann möchte ich final auch etwas ausführlicher texten…ich habe mich noch nie so mies und billig gefühlt. Dazu die befremdliche Gewissheit dass es keine zweite Chance auf einen zweiten Eindruck gibt…und jetzt habe ich erstmals den allerdümmsten Fehler gemacht: nämlich mit einem Mann direkt ins Bett zu gehen…dazu auch noch peinlich enthemmt durch zu viel Alkohol. Ich habe mich küssen und ausziehen lassen…aus einem naiven Grund: weil ich tatsächlich dachte du willst mir nahe sein. Ich hatte auch eine andere Vorstellung vom Verlauf dieses Abends. OK, wir hatten schon lange guten Kontakt und da war schon eine gewisse Vertrautheit…vielleicht hätte ich beim ersten Treffen auf einen Kuss gehofft…mehr aber auch nicht. Der eigentlich harte Schlag ist aber, dass du meine Zärtlichkeiten nur angenommen hast um mich nicht zu enttäuschen. Und dann erzählst du mir, dass etwas merkwürdig verlaufende Date an einem weiteren Wochenende vergessen machen zu wollen, obwohl da für dich schon feststand, mich nicht wieder treffen zu wollen. ICH hätte den Abend tatsächlich abhaken und wiederholen können….und passiv? Ja, ich bin sonst passiv! Ich muss mir meist anhören, ich sei sogar äußerst reserviert.

Ich wäre einfach gerne rechts abgebogen…aber das ist jetzt auch egal…vergiss mich einfach! Ich will auch keine weitere Reaktion von dir erzwingen…nur habe ich lediglich den Wunsch, meine verkorkste Selbstachtung wieder etwas aufzurichten um mich besser zu fühlen. Glaub‘ bloß nicht, dass du es mit einer verzweifelten Frau zu tun hattest…..“

Keine weitere Reaktion.

….ich weiß bis heute nicht, ob es schlichtweg männliche Scham war, so mit dieser Sache umzugehen…Schuld abwälzen, alles herunterspielen…Haken setzen!

Ich hatte den Haken schnell gesetzt…und auch eine Lektion erteilt bekommen.

Nach dem Mann ist vor dem Mann…Dirty Harry (Teil I)

Ich wollte mit dem Kapitel Stuttgart recht bald abschliessen…immerhin tat er es umgekehrt wohl genauso. Keine Nachricht mehr. Kein Bereuen, keine Bitte um eine neue Chance…er war wohl ganz bei der neuen Frau angekommen, die ich ja so unglaublich schön und begehrenswert vor mir sah. Wenn ich die Erinnerungen an einen Mann vergessen machen möchte (besonders an seine Augen ganz dicht vor mir) ist es für mich am besten, schnellstmöglich in das hoffnungsvolle Gesicht eines neuen Anwärters zu blicken.

Ich war also wieder online auf der Suche…ich tat es leidenschaftslos. Und wenn man nicht positiv an solche Dinge rangeht, dann kommt dabei auch selten etwas Brauchbares heraus. Da ich zwar keine Akademikerin aber definitiv ein Single mit Niveau bin, versuchte ich es einmalig bei Elite Partner. Also ich fühlte mich da jetzt nicht so gut aufgehoben. Hauptsächlich tummeln sich dort Sugar Daddys, die nach einer langen Ehe etwas deutlich jüngeres suchen…oder Spießer. Eher attraktive Lebensläufe als hübsche Gesichter..natürlich alles unkenntlich before Freischaltung…aber Halbglatzen und stillose Anzüge erkenne ich trotzdem. Hin und wieder gab es also Anfragen von diversen CEO’s, Coaches, IT-Größen, einem Kieferchirurgen und sogar einem evangelischen Pfarrer. Keiner machte auf Anhieb einen aufregenden Eindruck.

Als ich in den letzten Zügen meines Probe-Abo’s war schrieb mich unverhofft Dirty Harry an. Er präsentierte sich auf seinem Profil als Überflieger in sämtlichen Bereichen: sportlich und durchtrainiert…im Rennanzug in der Boxengasse (im Hintergrund malerisch schön ein Porsche in Position gebracht), dann mit Sonnenbrille und vollem Outfit im Urlaub…immer den Blick Richtung Erfolg gerichtet. Der Rest lies sich ebenfalls traumhaft: 1,96m groß, NR, zwei Kinder, getrennt lebend, Sport, Reisen, Leben geniessen.

Es war kurz vor Weihnachten….vielleicht hatte sich das Jahr das Beste bis zum Schluss aufgehoben? Der Porsche reichte mir als kosmischen Hinweis auf einen verheißungsvollen Kandidaten. Er trug einen kurzgehaltenen Bart mit hohem Grauanteil und die etwas längeren, leicht gewellten Haare glatt nach hinten gegelt…gut, da stehe ich jetzt spontan nicht so drauf. Meine Haare sind kurz und die des Mannes sollten nach meinem Geschmack nicht länger sein. Aber hey: Porsche! Man muss ja nicht jedem Mann gerne durch die Haare fahren…obwohl ich das bei Lukas/Stuttgart sehr gerne tat. Verdammt….er ist immer noch präsent….ich schrieb dem Mann mit den angeklatschten Haaren zurück.

Wir schrieben und schon nach wenigen tagen führten wir unser erstes Telefonat.

Ein Treffen war durch Weihnachten und alle möglichem anderen Kram erst einmal nicht drin, aber ließ mich über WhatsApp an seinem Leben teilhaben….und das war beachtlich: Bilder von zwei Luxus-Autos, aneinander gekuschelt in der eigenen Tiefgarage, dem Pool (yeah, aufblasbares Einhorn…endlich!!), den hübschen Kindern. Und er plante mit mir schon für nächsten Sommer…inklusive Urlaub auf den Malediven. Aha!? Was war das jetzt? Ich hätte mir nach den Enttäuschungen dieses Jahres wirklich einen 5-Sterne-Urlaub verdient (einen Stern pro Reinfall) gehabt…aber noch vor dem ersten Treffen die Zukunft bunt auszumalen ist was für totale Anfänger…am besten gar nicht darauf eingehen…Badesachen kann man ja trotzdem mal bereithalten!

In der romantischen Weihnachtszeit vertiefte sich der Kontakt noch einmal und irgendwie fühlte man sich schon eng verbunden…was leider automatisch gerne passiert, wenn man sich noch nicht getroffen hat. Zwei Wochen später sollte es nun endlich soweit sein: er schlug ein Abendessen vor…und fragte mich nach einem erstklassigen Hotel, in dem er einchecken könnte. Er wohnte 80km von mir entfernt. Den Heimweg wollte er an diesem Abend nicht mehr antreten, da wir sicher was trinken würden. Da ich ihm natürlich nicht direkt eine Übernachtung bei mir anbieten wollte, war ich ganz froh und sah da keinen Hintergedanken…obwohl mein Bauchgefühl mir heftig mitteilte, dass er nicht allein ins Hotel gehen würde. Was ich daran festmachte, dass ich enttäuscht war, als er mir mitteilte, dass seine Sekretärin weder das erst-noch das zweitbeste Hotel der Stadt buchen konnte…lediglich was total unspektakuläres war noch zu haben…..

Fortsetzung folgt….

Rauswurf aus der Verbotenen Stadt (Teil VII)

Kaum zurück vom Zahnarzt waren sie da…die bohrenden Fragen…

Warum schmeisst er mich einfach weg? Er hat diese Frau doch angeblich erst kennengelernt und nun ist er sich schon sicher, dass er mich getrost gegen sie eintauschen kann. Wie sieht sie wohl aus? Sie muss umwerfend sein…er lässt mich einfach gehen. Ich würde keine Spuren hinterlassen…weder in seinen Erinnerungen, noch anhand einer plötzlich fehlenden Zahnbürste in seinem Badezimmer. Keine Wäsche, kein vergessenes Shirt in einer Ecke, keinen Cremetiegel…ich war quasi nie da gewesen, hatte nichts zurückgelassen…wie ein Geist. Selbst mein Kissen hatte ich immer selbst mitgebracht und nie dagelassen…immer mit mir rumgetragen…wie ein kleines Mädchen, dass nie ohne Schnuffeltuch unterwegs sein kann.

Lange hatte ich überlegt ob und was ich ihm auf seine Nachricht antworten sollte. Sollte ich ihn anblaffen? Ihm Vorwürfe machen? Mich einfach still zurückziehen, um nicht den Verlierer raushängen zu lassen….?

,,er war ehrlich zu dir…aber fuck…hat er denn gleich vor die zu heiraten??“ sagte mir meine Freundin.

Ja, er war ehrlich. Ich glaube ihm sogar, dass er sie nicht bereits länger gedatet hat. Ich konnte ihm eigentlich nicht knallhart etwas vorwerfen…juristisch gesprochen hatte ich quasi nix gegen ihn in der Hand. Er hatte mir nie wirklich eine Beziehung in Aussicht gestellt…nur ein ,vielleicht‘ oder ,wir könnten eventuell mal einen Urlaub in Erwägung ziehen‘. Es war also kein Betrug…nur ein ,ich hab‘ einfach was Interessanteres gefunden‘. Hart, aber nicht moralisch verwerflich.

Ich könnte ihn beleidigen oder einen Feigling nennen…verbal um mich schlagen: es wäre nur ein würdeloses Unterfangen ohne eine Aussicht auf Erfolg. Bewahre dir dein letztes bisschen Selbstrespekt und schreibe ihn nicht an…Lösche alles was du hast und vernichte seine Nummer, um nicht in Versuchung zu kommen. Nie wieder!!!! Erwecke dein Tinder-Profil zu neuem Leben, stelle neue Fotos rein und bring dich nach aussen auf den neuesten Stand. Irgendwo gibt es den Mann, der dich voll und ganz haben will…und der dich auch nach dem Sex mal in den Arm nimmt…einen der alles von dir will. Hoffentlich ist der dann auch so großartig im Bett…ich verbot mir diesen Gedankengang. Ach, es ist schon scheisse, wenn die Messlatte so hoch gelegt wurde. Jetzt würden immer diese Vergleiche angestellt werden. Wie oberflächlich kann ich nur sein???!!!

Sich wieder online stellen, das Kind drücken, unter Leute gehen…alles geben um ihn zu vergessen….

Es ist kein leichtes Unterfangen. Das Autobahn-Schild Richtung Stuttgart jeden morgen, ähnliche Autokennzeichen (ist er dass?????), man sieht ihn plötzlich überall…in der eigenen Stadt…mit dieser tollen Frau: beim Einkaufen, als Kunden im Laden, an der Tankstelle und in meiner Lieblingsbar. Er würde sie zeitnah seinen Freunden, seiner Familie, den Kindern vorstellen…ihr sein Leben öffnen…alles was für mich verschlossen blieb.

Ob er sich vielleicht doch noch mal meldet und seinen großen Fehler bereut?……

Rückkehr in die Verbotene Stadt (Teil VI)

Der einwöchige Italien-Urlaub kam mir sehr gelegen um wortwörtlich etwas Abstand zwischen mich und Lukas/Stuttgart zu bringen…erleichtert wurde das ganze durch den krassen Gegensatz zum heimischen Alltag: die malerische Landschaft der Toskana, unglaubliches Essen, die Konfrontation mit einer Sprache, der man nicht mächtig ist…genug Ablenkung um nicht an die Nacht mit ihm zu denken…dazu kam der Mangel an W-LAN wenn man den ganzen Tag durch norditalienische Altstädte streift. Man konnte es also gleich vergessen, sich ständig auf dem Handy zu vergewissern dass er NICHT schrieb.

Die Tage vergingen wie im Flug und kaum zu Hause angekommen warteten neben halb verdursteten Balkon-Pflanzen (ich wollte einfach nicht den Schlüssel an die Nachbarin abgeben…das forderte nun Opfer) auch die gleichen Fragen wie vor der Reise auf mich:

WANN MELDEST DU DICH? SEHEN WIR UNS WIEDER? ENTWICKELT SICH DAS VIELLEICHT DOCH NOCH?

Er meldete sich…doch war es wohl nicht er selbst der mich vermisste…eher sein Schwanz. Aber das reichte mir für den Anfang. Er bot mir an, dieses Mal nach Karlsruhe zu kommen. Würden wir nun auch ein wirkliches zweites Date (nach dem Frühstück) haben oder nur den zweiten Sex?

Der Gedankenaustausch via WhatsApp die Tage davor gab ganz klar die Richtung vor: schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen (die letzte Nacht zusammen) und freudige Erwartung dessen was nun kommen sollte (auch wieder ausschliesslich Sex)…er konnte so phantasievoll sein wenn er darüber schrieb, wie er es mir besorgen wollte…aber sonst bekam er kaum mehr als einen Satz geschrieben.

Das Wetter an dem Juli-Abend war warm und einfach zu schade um ihn ihm Bett zu verbringen. Ich musste ihn tatsächlich überreden zu einem Essen in die Stadt zu fahren. ,,Nun gut, aber nur was Kleines und wir laufen auch nicht, denn das kostet ja sonst noch mehr Zeit…denn ich hab ja noch was mit dir vor“. Ich glaubte kaum was ich da hörte. Aber ich ließ mich nur kurz irritieren und beschloss meinen Plan durchzuziehen: ich WOLLTE einen schönen Abend im Freien verbringen…am besten einen kleinen Schwipps, bedingt durch den ein oder anderen Cocktail.

Der Rest ist kurz erzählt…ein wirklich kleines Essen…er wurde wohl auch schon ein wenig ungeduldig als ich mir in aller Ruhe einen zweiten Cosmo bestellte, während er eigentlich schon zahlen wollte. Zwing ich dich eben zu dem Date, auf das ich so lange warten musste…pfffft!

Danach zu mir…auch beim zweiten Mal lieferte er sehr gut ab, was aber auch damit zusammenhing, dass ich deutlich lockerer und somit enthemmter war…an Schlaf war auch bei meinem Heimspiel wieder nicht zu denken. Wenn ich nicht weiß woran ich bin, dann komme ich einfach nicht zur Ruhe. Morgens gab es ein liebevoll hergerichtetes Frühstück…mit frisch gepresstem O-Saft…damit huldige ich nur den besten Liebhabern. Danach verabschiedete er sich direkt und -plopp- war er wieder raus aus meinem Leben.

Wieder vergingen Wochen in denen wir uns nicht sahen…und wenn wir schrieben ging es nur um Sex. Es machte zugegeben schon Spass sich mit heißen Texten auszutauschen…wir waren da auch wirklich kreativ. Irgendwann bat er mich um ein selbst gemachtes Video: ,,Ich möchte sehen wie du es dir machst!“. Bitte what??

Das hatte ich bisher noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen…natürlich haben mich schon andere Männer freundlich um solch ein Film-Material gebeten. Aber erstens war ich nie locker genug um das mal anzugehen und zweitens hatte ich immer die Befürchtung, dass sich solch eine Doku mal nach einer unschönen Trennung im Netz verselbstständigen könnte…und daher habe ich immer höflich verneint.

Aber er ließ nicht locker…und irgendwie wollte ich mich ihm ja so offen wie möglich präsentieren.

Es war EM-Zeit und ich hatte zum Deutschland-Spiel die Bude voll mit Freunden. Wenn man als Mum schlecht abends raus kann, kommen die Freunde eben zu einem…und dann wird im Sommer der Grill angeworfen. Ich esse bei gutem Wetter irgendwie alles gegrillt von der eigenen Loggia. Während des Spiels meldete er sich und hakte nach…er würde sich ja sooo freuen, wenn mal was käme. Ich war durch ein paar Bier in prächtiger Stimmung und war auch irgendwie in sexueller GeberLaune. Ja mal schauen und so…vielleicht wenn hier alle raus wären…jetzt war ich entschlossen. Leider geht niemand wenn man sie raus haben will…auch lange nach Abpfiff.

Doch ich war irgendwann tatsächlich allein mit mir.

Man sollte es wirklich einmal tun. Kann ich jedem nur empfehlen! Mal auf diese Weise über seinen Schatten springen. Ist gut für das eigene sexuelle Ego…und der Mann freut sich wie über den Gewinn der EM, wenn er ein 7-minütiges Video bekommt, in dem sich die Frau sexy hergerichtet selbst verwöhnt…macht das mal und schickt es eurem Freund/Schwarm…das macht die echt verrückt.

Es pendelte sich ein, dass wir uns so alle sechs Wochen zum Sex trafen…es waren schöne Abende. Er meinte auch, wenn die Entfernung nicht wäre, er könne sich mehr vorstellen.  Sogar einen gemeinsamen Urlaub schlug er vor. Ich wollte ihm glauben….ich war verliebt.

Wenige Wochen später…es war ein Mittwoch Morgen im November, saß ich beim Frühstück, als das WhatsApp-Klöckchen schellte…mich ereilte ein seltsames Bauchgefühl: ich fühlte dass er es war…aber morgens? Irgendwas war daran seltsam.

,,Karla,ich will ehrlich mit dir sein. Ich habe am Wochenende beim Ausgehen eine Frau getroffen. Sie ist auch aus Stuttgart. Ich möchte sie näher kennenlernen. Es tut mir leid, ich werde mich daher in nächster Zeit nicht bei dir melden. Hoffentlich möchtest du trotzdem mit mir in Kontakt bleiben…es würde mich freuen.“

Ich setzte mich wieder. Vielleicht hätte jemand an meiner Stelle geweint oder geflucht. Ich löschte einfach nur den gesamten Nachrichten-Verlauf und blieb ruhig sitzen. War das der Schock?

Ich nahm meine Schlüssel und ging zur Haustür hinaus…Zahnarzt-Termin. Hoffentlich muss er mich betäuben und bohren…dann könnte ich einen anderen Schmerz spüren, es wäre kein Platz für einen weiteren aus dem Herzen…und der Bohrer wäre zu laut, um meine eigenen Gedanken zu hören…….

Hallo Herr Saubermann

Es gibt ja viele Orte, an denen man gezielt einer gewissen Anzahl an Männern begegnen kann…z.B.

-bei einem Besuch im Fußballstadion! Nachteil: Leicht angetrunkene Männer…ein Dunst aus Bier, Zigaretten und soviel Testosteron, das es meist als unangenehme Ausdünstung wahrgenommen wird…außerdem gibt es eine Sache, die Männer so gar nicht interessiert wenn das Bällchen rollt: Frauen! Es sei denn, sie würden in der Halbzeit Flitzer-like über den Rasen hüpfen.

in einer Bar…Nachteil: mäßig bis stark angetrunkene Männer…keiner traut sich…bis auf ein paar Blickkontakte tut sich selten was und beide Seiten gehen allein nach Hause.

Also grundsätzlich fließt Alkohol, wenn sich Männer im Rudel zusammentun. Es gilt auszuspähen, wo man sie separiert von der Herde tagsüber antreffen kann.

Und ich habe einen Ort gefunden.

Seit kurzem habe ich einen neuen Tiefgaragen-Stellplatz…fussläufig zu meiner Arbeit direkt im Zentrum. Wenn ich mein Auto abstelle gehe ich meist eine Abkürzung: nicht über die Treppe in den Hof des Wohnkomplexes, in dem sich das nicht öffentliche Parkhaus befindet,sondern durch das manuell zu öffnende Ausfahrts-Tor…laufe ich hindurch nach oben…und genau dort oben direkt an der Straße, quasi an der Auffahrt parkt rechtswidrig immer ein anderes Auto…IMMER ist der Insasse männlich (Frauen wäre der Parkplatz viel zu gefährlich), fährt ein Auto Marke „ich bin viel unterwegs und verdiene gut dabei“, sehen sehr gepflegt aus und sind nicht selten attraktiv. Jetzt…warum springt dort immer schnell ein Mann aus dem Auto und huscht ins Gebäude?

In dem Komplex befindet sich eine Reinigung.

Ich schlüpfe also unter dem Rollgatter hervor, wie eine Prinzessin, die ihre Burg verlässt und dann steht da meist ein stattliches Gefährt mit verheißungsvollem Inhalt…sie springen heraus mit ihrem Hemdenbeutelchen, erblicken mich kurz…ich lächele…und es kommt auch eigentlich immer ein Lächeln zurück. Ein schönes morgendliches Ritual. Ich mag Männer, die Hemden tragen….so fern sie weiß sind und gut passen…auf keinen Fall halb-ärmelig oder gar mit Mustern! Hemden in die Reinigung bringen signalisiert auch irgendwie: ich bin Single…und daher bügelt mir auch niemand für mich! Gut, ich würde auch keinem Mann die Hemden bügeln. Aber ich bin sicher die Ausnahme…der Rest bügelt sicher für den Ehemann.

Da ich selber nichts in die Reinigung geben brauche, habe ich einen anderen Weg gefunden um dort Männer zu beobachten: die Wäscherei ist eine Hermes-Paketstation…alle meine Päckchen hole ich dort bequem ab. Das schont auch die Nerven meiner Nachbarn, denn die müssen nichts annehmen.

Es ist auch ein Ort, an dem es garantiert immer jungfräulich frisch und rein duftet…ich mag diese warme, gereinigt wirkende Luft mit einem Hauch Stärke. Kein Bier, kein Männerschweiss…

Seit einiger Zeit treffe ich dort einen hübschen Mann mit stylischem Outfit und moderner rundlicher Brille an…leichter Bart wie ich es mag und einem schönen Jaguar, an den ich mich gewöhnen könnte. Da wir uns immer öfter begegnen, wage ich die Vermutung, dass wir unsere Besuche aufeinander abstimmen….in der Hoffnung dem anderen zu begegnen.

Vielleicht mal ansprechen?…oder einen Aushang am Schwarzen Brett dort anbringen…neben Mitbewohner gesucht und Muschi entlaufen…..

Zurück aus der Verbotenen Stadt (Teil V)

Wie gesagt: die Heimfahrt war schier endlos. Es lag nicht einmal am Berufsverkehr zwischen Stuttgart und Karlsruhe…sondern mehr daran, dass ich mich ungern von ihm weg entfernen wollte. Wenn ich zuhause ankomme, dann ist alles vorbei…ich werde in die Realität zurückgeworfen und würde mich mit zig Fragen konfrontieren müssen. Also fuhr ich eben seeeehr langsam. Schneller als 100km/h ging nicht…dafür war ich zu unkonzentriert. Man muss ja auch Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen. Ich schaute nach rechts. Auf dem Beifahrersitz lag die Bäckertüte mit den Backwaren, die ich direkt vor seiner Haustüre noch gekauft habe. Auf dem Papier war neben dem Namen auch die Adresse der Bäckerei aufgedruckt…ich wurde bei diesem Anblick plötzlich sentimental: würde ich je in diese Straße zurückkehren, sprich:…ihn wiedersehen? Und was, wenn das die besten Vollkornbrötchen ever sind und ich würde sie zum ersten und gleichzeitig zum letzten Mal essen dürfen?! Ganz kurz hatte ich den Gedanken sie einfach einzufrieren…wie dämlich…als ob man einen schönen Moment konservieren könne, in dem man sich Brötchen auf’s TK-Lager legt.

Ständig hatte ich die Bilder der letzten Nacht vor mir…Kopfkino pur…ich spulte den ganzen Film immer wider zurück und sah ihn mir von vorne an: diese heftigen Küsse und die Lust auf viel mehr…wie gut er sich anfühlte und wie selbstlos er mich verwöhnt hatte mit den Händen und der Zunge bevor wir auf unterschiedliche Weise irre guten Sex hatten.

Plötzlich gab die Bäckertüte ein Glöckchenbimmeln von sich…mein Handy lag darunter. Es war meine Freundin…verdammt, fast hätte ich vergessen ein Lebenszeichen abzusetzen. ,,Lebst du noch???“ Du solltest dich melden und Entwarnung geben!“… ,,Ja, alles ok, es geht mir gut“ (tat es das?). ,,Wie war’s denn? Seht ihr euch wieder?“… ,,Es war leider gut und mehr weiß ich auch noch nicht. Ich muss mich erst einmal sortieren…ok? Aber danke, dass du an mich gedacht hast!“… ,,Ok, meld‘ dich, wenn die Dinge etwas klarer werden…denk an dich!“

Ich muss ja nicht unbedingt ins Detail gehen, wie ich während einer Autofahrt Nachrichten absenden konnte (mit dem heutigen Strafkatalog)…das geht eben nur, wenn man seeeeehr langsam fährt.

Doch egal wie man etwas in die Länge zieht…alles ist endlich…schon konnte ich die ersten Fassaden meiner Stadt erkennen…und da war auch  schon meine Abfahrt—plopp–die Blase ist geplatzt…welcome to reality. Manchmal hasst man das alltäglichen Anblick rund um das eigene Viertel. Als ich die Haustüre aufschloss hatte ich das Gefühl ewig lange weg gewesen zu sein…es lag nicht nur an der für eine Nacht üppig gepackten Reisetasche und dem eigenen Kissen…etwas in mir hoffte, es würde sich mit dieser Nacht alles ändern.

Ich warf mein Kissen auf’s Bett und startete den Kaffee-Vollautomaten…ich brauchte ganzdringend ein ausgiebiges Frühstück, schließlich hatte ich ja seit dem Raststätten-Snack nix mehr gegessen…und viel Kaffee, denn schliesslich hatte ich diese Nacht kein Auge zugemacht. Ich verzichtete auf eine Erinnerung in Form von verderblichen Lebensmitteln und beide Brötchen wurden aufgegessen…nun war ich wieder besser dran. Als nächstes wollte ich das Schlafdefizit ausgleichen. Tagsüber kann ich generell nicht schlafen…vielleicht mal 20 Minuten wegdösen…mehr ist nicht drin. Und mit den ganzen Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, war da eh nix zu machen. Die Chemie hatte bei mir voll zugeschlagen: ich fühlte mich nach dem Sex total zu ihm hingezogen. Jetzt nur einen kühlen Kopf bewahren und nicht direkt mit Nachrichten nachhaken. Als ich auf dem Bett lag, ruhte mein Handy direkt neben mir. Ich würde mich nicht melden…aber falls er es tun würde wollte ich den Moment schliesslich nicht verpassen und bereit sein…nur noch 20%, sagt der Akku…also lieber noch mal kurz raus aus’m Bett und das Ladekabel holen. Zurück aufs Bett. Dann merkte ich, dass ich mich nicht mehr richtig frisch fühlte. Ich hatte auf der Fahrt noch das Bedürfnis, ihn nicht zu schnell von mir abzuwaschen, doch nun kippte das Gefühl und ich fühlte mich siffig…schliesslich wollte ich mich doch wohlfühlen während ich darauf wartete, dass er sich eventuell melden könnte. Wieder raus aus dem Bett und ab unter die Dusche… bequeme Sachen angezogen, mit denen man sich gut fühlt, am liebsten man selbst ist…und wieder auf die Decke. Das Handy war natürlich mit im Bad…nur für den Fall der Fälle.

Tatsächlich trat das ein, was eigentlich nie passiert wenn man darauf wartet: ich erhielt eine Nachricht von ihm:

,,Bist du gut angekommen? Das war richtig gut letzte Nacht!“

Jetzt nur nicht direkt antworten…das klingt sonst so gierig, als ob man die ganze Zeit nur darauf gewartet hätte.

,,Ja das war es…aber ich war nervös“…soll heißen: ich kann’s noch besser!

,,Das habe ich gemerkt…aber ich fand’s süß“

Und das war es auch schon fast mit dem postkoitalen Nachrichtenaustausch.

Am nächsten Tag fuhr ich mit Eltern und Kind nach Italien und nach einem ,,Gute Reise“-Gruß von ihm war der Kontakt eingestellt…

….vorerst………….

P.S den LKW oben habe ich auf der seeeehr langsamen Fahrt fotografiert….und ich war tatsächlich kurz von meinen Gedanken abgelenkt und man muss sich die Frage stellen: wie eilig können es die Kunden in diesem Fall noch haben?!